Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 61. Band, (Jahrgang 1869)

127

Beiträge  zur  Kritik  und  Erklärung  des  Sophokles  (König-  Oidipus).
ipdziv  dp.’  Oidinöda  und  (pxvspd  -yap  irr’  «lirw  r,A$e  -dpa.  hinweisen.

Die  Scholien  bieten  hier  eine  erwünschte  Anleitung  zur  Constituierung
  des  Textes,  wobei  auch  nicht  ein  einziger  Buchslahe  der
Ueberlieferung  zu  ändern,  wol  aber  die  Lücke  durch  das  von  den
Scholien  dargebotene  -/_priadpsvo<;  (was  schon  Brunck  aufnahm)  zu
ergänzen  ist.  Es  ist  nämlich  zu  schreiben:
rt  ydp  77  Aaßoaxidcag
fj  tü  lla^Oßav  vetxoj  exziz’,  cörs  xdpoiSiv  nor’
VÖV  TMi)
epaSov.  ffoöj  0  zov  orj  ßaadvip  y^p  77  adpsv  0  ?  *)
£7re  zdv  ixidccpov  (pdziv  dp.’  0ioiKÖoa.  xrX.

*)  Die  Annahme  der  Dehnung  der  letzten  Sylhe  von  wird  freilich  auf
Widerspruch  stossen.  Ich  halte  diese  Dehnung  für  zulässig  aus  mehreren  Gründen.
Es  ist,  glaube  ich,  namentlich  bei  einem  viersylbigen  Worte,  dessen  Messung
—  ist,  die  Dehnung  der  letzten  Kürze  in  der  Arsis  nach  den  drei  ersten  einen
Dactylus  bildenden  Sylben  natürlich  und  in  dem  allgemeinen  rhythmischen  Princip
begründet.  Es  stellt  sich  nämlich  in  diesem  Falle  von  selbst  das  Bedürfnis
heraus  nach  einer  Unterscheidung  der  dritten  Kürze  von.den  zwei  vorausgehenden,
d.  i.  das  Bedürfnis  nach  einer  Hervorhebung  derselben  in  der  Aussprache  und
nach  einer  Dehnung.  So  wird  im  Deutschen  im  troehäischen  und  jambischen
Metrum  von  zwei  auf  einander  folgenden  Kürzen  die  zweite,  in  der  Arsis  stehende,
zur  Länge:  herrliche  Gestalt,  das  goldene  Gefäss.  Im  dactvlischen  Metrum  findet
dasselbe  bei  der  letzten  von  drei  aufeinander  folgenden  Kürzen  statt;  z.  B.  Klopstock
  Messias  5,  24:
„Und  die  schrecklicheren  der  Christen  erhüben  sich  behend“.
Ich  sehe  nicht  ein,  warum  man  diese  Dehnung,  die  man  bei  Homer  willig  anerkennt, ­
  bei  den  Tragikern  bestreiten  und  die  Stellen,  an  denen  diese  Erscheinung
vorkommt,  ändern  sollte.  Bei  Homer  liest  man  z.  B.  Od.  230:
TvjXs'jjiaxs,  ttoiov  <re  eiroc  epxog  o&o'vrcov  ,•
In  unserer  Tragödie  lesen  wir  866:
v'piKodsg,  oupavcav
aiSipot.  rexvtt£evrs£.
Ferner  habe  ich  noch  folgendes  zu  bemerken.  Man  findet  bekanntlich  nicht
selten  in  einer  stärkeren  Interpunction  eine  Entschuldigung  für  die  Dehnung
einer  Kürze.  Ich  erkenne  diese  „Entschuldigung“  als  berechtigt  an,  bin  aber  überzeugt, ­
  dass  dieselbe  auch  für  manche  Fälle  in  Anwendung  kommen  kann,  wo  nur
ein  Komma  oder  auch  gar  keine  Interpunction  gesetzt  wird.  Dies  scheinbare
Paradoxon  ist  leicht  zu  begreifen.  Nicht  die  Interpunction  an  und  für  sich  ist  es
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.