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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 61. Band, (Jahrgang 1869)

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V  a  h  I  e  n

und  seiner  schriftstellerischen  Bestrebungen  einen  Beitrag  zu  liefern
geeignet  sind.
Die  erste  derselben  ist  eine  Rede,  welche  Yalla  im  October
1455  —  zwei  Jahre  vor  seinem  Tode  —  in  Rom  vor  einer  Versammlung ­
  von  geistlichen  und  weltlichen  Würdenträgern  (er  redet
seine  Zuhörer  venerandi  patres  ac  viri  clarissimi  an)  gehalten  hat.
Es  ist  eine  Inauguralrede,  wie  sie  der  Sitte  gemäss  alljährlich  bei
Eröffnung  der  Studien  an  der  römischen  Universität  von  einem  Mitgliede
  derselben  gehalten  wurde.
Der  Verfasser  der  Elegantiae  linguae  latinae  hat  sich  zum
Thema  die  Lobpreisung  der  lateinischen  Sprache  gewählt,  nicht
etwa  wegen  besonderer  Vorzüge,  welche  dieser  Sprache  vor  anderen
eigenthümlich  sind,  sondern  insofern  sie  vermöge  ihrer  allgemeinsten
Verbreitung  die  Vermittlerin  aller  Wissenschaft  geworden  ist.
Die  Wissenschaft,  sagt  Valla,  ist  ein  grosser  Bau,  dessen
glückliche  Ausführung  das  Zusammenwirken  vieler  Arbeiter  erfordert,
und  damit  nicht  dieser  Bau  wie  einst  der  babylonische  Thurm  aus
Mangel  an  gegenseitigem  Verständniss  unvollendet  bleiben  müsse,
bedürfe  es  einer  gemeinsamen  Sprache,  durch  welche  alle  von  allen
lernen,  die  Entdeckungen  eines  jeden  zu  allen  getragen  und  alle
zum  Wetteifer  in  dem  Ausbau  des  gemeinsamen  Werks  angespornt
werden.  Die  Sprache  ist  wie  die  Geldmünze,  welche  den  Verkehr  der
Länder  unter  einander  eröffnet  und  den  gegenseitigen  Austausch  der
besondern  Erzeugnisse  eines  jeden  ermöglicht  hat.
Eine  solche  Sprache  war  die  lateinische,  welche  von  der
römischen  Herrschaft  bis  an  die  äussersten  Grenzen  des  grossen
Reiches  getragen,  Recht  und  Wissenschaft  und  Litteratur  auf  dem
Erdkreis  verbreitet  hat:  und  als  das  römische  Reich  zusammenbrach
und  die  lateinische  Sprache  aufhörte,  das  gemeinsame  Verkehrsmittel
der  Gelehrten  zu  sein,  da  sanken  auch  die  Wissenschaften.
Dass  sie  aber  nicht  völlig  erloschen,  das  ist  das  Verdienst  des
apostolischen  Stuhles,  der  durch  die  Verbreitung  des  Christenthums
und  der  von  allen  in  lateinischer  Sprache  gelesenen  Schriften  des
alten  und  neuen  Testamentes  von  neuem  der  lateinischen  Sprache
die  Rolle  einer  Trägerin  und  Vermittlerin  der  Wissenschaft  zuertheilt
hat,  und  so  lange  sie  diese  Rolle  behauptet,  wird  auch  die  Blüthe
der  Wissenschaft  dauern.
            
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