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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 61. Band, (Jahrgang 1869)

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K  v  i  c  a  I  a

„Kreon  ist  aber  kein  Unheil  für  dich.  Kpeeov  di  tritt  gleich
gegensätzlich  voran,  da  Teir.  im  Sinne  hat  au  gxutü)  Trrj/xa  e?“.  Es
hat  nämlich  gar  keine  Wahrscheinlichkeit  für  sich,  dass  derselbe
Gedanke,  der  in  der  zweiten  Vershälfte  mit  akX  avrdg  gu  gge  ausgesprochen ­
  wird,  auch  vor  den  Worten  Kpicov  oi  aoi  nrip.’  ovdiv  hinzuzudenken ­
  ist  und  dass  dieser  zu  supplierende  Gedanke  das  di  veranlasst ­
  hat.  Aber  freilich  ist  auch  Hermann’s  Erklärung  nicht  ganz
genau.  Der  Gedankenzusammenhang  ist  vielmehr:  „Du  beschuldigst
Kreon;  Kreon  aber  ist  kein  Unheil  für  dich“.  Zugleich  muss  man  sich
daran  erinnern,  dass  di  nicht  selten  die  Wirklichkeit  der  Nichtwirklichkeit, ­
  das  Wahre  dem  Falschen  gegenüber  stellt;  vgl.  darüber
besonders  Bäumlein,  Untersuchungen  über  griech.  Partikeln  S.  9ü,  96.
V.  383.
„Ouvsxa  kann  schwerlich  für  hvxx  gebraucht  werden;  mit
Recht  hat  Blaydes  hier  und  sonst  die  selbst  für  die  attische  Prosa
gut  bezeugte  Form  eevexse  gesetzt“.  Nauck  (Anh.).  Über  diese  Änderung ­
  muss  man  sich  sehr  wundern,  weil  sie  dem  Princip,  von  welchem
sich  Blaydes  sonst  nach  dem  Vorgänge  anderer  Kritiker  leiten  liess,
widerspricht.  Dieses  —  freilich  bedauerliche  und  sehr  schädliche  —
Princip  ist  die  Ansicht,  dass  das  ausnahmsweise  vorkommende
gar  nicht  Vorkommen  dürfe  und  dass  somit  solche  Stellen,  an
denen  eine  seltenere  sprachliche  Erscheinung  überliefert  ist,  geändert
und  so  oder  so  uniformiert  werden  müssen.  Im  vorliegenden  Falle  aber
ist  Blaydes  seinem  Lieblingsprincip  untreu  geworden.  Oövsxa  findet
sich  nämlich  bei  den  Tragikern  in  der  Bedeutung  von  svexa  viel
häufiger,  als  die  Form  etvsxa,  welche  Form  zwar  episch  und
neuionisch  ist,  aber  hei  anderen  Schriftstellern  wenn  auch  „gut
bezeugt“,  doch  im  ganzen  recht  selten  ist.  Oüvexx  findet  siel)  in  der
präpositionalen  Geltung  hei  Sophokles  zwanzigmal,  eevexcc  (und  k'vsxa)
nicht  ein  einzigesmal  überliefert:  und  diese  20  Stellen  sollen  wir
ändern  einer  Form  zu  liehe,  die  für  Sophokles  gar  nicht  bezeugt  ist?
Und  wesshalb?  „Weil  oövex«  schwerlich  für  fvsxa  gebraucht  werden
kann.“  Ist  cs  aber  denkbar,  dass  oüvsxa  unbefugter  Weise  fast
alle  Stellen  hei  den  Tragikern,  alle  hei  Sophokles  occupiert  und
das  rechtmässige  eivexoe  verdrängt  haben  sollte?  Wie  konnte  man,
wenn  ou-jexo.  niemals  die  Geltung  von  ivexa  hatte  und  nur  ou  svexa
            
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