Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Pie  früheren  Wanderjahre  des  Conrad  Celles.

93

Die  Dichterkronung.
In  seinem  Vaterlande  erwartete  Celtes  eine  ungewöhnliche
Auszeichnung.  Der  Kurfürst  Friedrich  von  Sachsen  hatte  sich  schon
früher  als  einen  besonderen  Gönner  des  Dichters  erwiesen.  Er  wie
sein  Bruder  Ernst  Erzbischof  von  Magdeburg  waren  Freunde  der
humanistischen  Richtung.  Der  Italiener  Fridianus  Pighinuccius,
welcher  mit  Celtes  in  lebhaftem  Briefwechsel  stand  und  denselben
sehr  schätzte,  war  in  Diensten  des  Erzbischofs  von  Magdeburg.
Durch  den  italienischen  Humanisten  vorzüglich  mag  der  Kurfürst  von
Sachsen  angeregt  worden  sein,  dass  er  sich  beim  Kaiser  Friedrich
III.  dahin  verwandte,  dass  der  aus  Italien  heimgekehrte  deutsche
Poet  mit  dem  Dichterlorbeer  gekrönt  wurde  !)•
Celtes  war  als  platonischer  Philosoph  und  als  ausgezeichneter
lateinischer  Dichter  in  kurzer  Zeit  überall  in  Deutschland  bekannt
geworden.  Die  Bedeutung  des  Mannes  war  auch  dem  Kaiser  nicht
entgangen.  Er  war  daher  gern  bereit,  dem  Wunsche  des  sächsischen
Kurfürsten  zu  entsprechen  und  den  deutschen  Humanisten,  der  durch
eine  Anzahl  lateinischer  Gedichte  Beweise  von  seiner  ungewöhnlichen
poetischen  Begabung  gegeben  hatte,  in  besonderer  Weise  auszuzeichnen. ­
  Dieses  konnte  in  doppelter  Weise  geschehen,  einmal,
dass  er  ihn  zum  Dichter  krönte,  dann,  dass  er  ihn  mit  dem  philosophischen ­
  Doctorhute  beschenkte.  Mit  solchen  Ehren  hatte  der
Kaiser  bereits  Italiener  ausgezeichnet 3 );  einem  Deutschen  war  aber

1)  In  der  an  den  sächsischen  Kurfürsten  Friedrich  gerichteten  Praefatio  zu  den  von
Celtes  herausgegebenen  Roswitha’schen  Werken  sagt  der  Dichter,  dass  ihm  ductu
et  monitu  dieses  Kurfürsten  der  Kaiser  den  Dichter-Lorbeer  ertheilt  habe.  Damit
stimmt  auch  die  Yila  Celtis  überein:  Friderici  Saxoniae  ducis  —  suasu  et  monitu
coronam  poeticam  a  Caesare  meruit.
2 )  lm  Jahre  1442  hatte  K.  Friedrich  III.  den  Italiener  Aeneas  Sylvius  nicht  nur  zum
Dichter  gekrönt,  sondern  auch  zum  Magister  creirt.  Es  heisst  in  dem  darüber  ausgefertigten ­
  Diplom  (bei  Chmel  Regest.  Frideric.  IV.  Imp.  Vol.  I.  Anh.  XXIX):
Aeneam  Sylvium  —  magistmm,  poetam  et  historicum  eximium  declarantes  praeclari
  magisterii  nomine  auctoritate  Romana  regia  insignimus  ac  manihus  propriis
perornamus,  his  semper  viridibus  Iauri  ramis  et  foliis  solenniter  decorantes  etc.
Am  10.  Aug.  1487  gab  derselbe  Kaiser  in  Nürnberg  dem  Michael  Foresing  aus
Savoyen  den  Doctorhut  in  den  freien  Künsten  und  liess  darüber  ein  Diplom  ausfertigen.
  (Chmel  a.  a.  0.  Vol.  II.  p.  743.  nr.  8142.)
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.