Die früheren Wanderjahre des Conrad Celtes.
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Dichter und dem berühmtesten Verbreiter des Humanismus in Deutschland
noch nicht eine Gesammtausgahe seiner Werke besitzt: ja,
dass von seinen bedeutendsten Dichtungen, den „libris amorum“ wie
aucii den „libris odarum“, nur eine einzige, höchst seltene Ausgabe
existirt: endlich, dass seine Epigramme und die Briefe seiner
Freunde an ihn wie Manches andere nur handschriftlich Vorkommen
und bis jetzt keinen Herausgeber gefunden haben.
Die von der gelehrten rheinischen Sodalität herausgegebene
Vita des Conrad Celtes liefert nicht eine eigentliche
vollständige Biographie des gekrönten Dichters, sondern nur
einen fragmentarischen Beitrag zu seiner Lebensgeschichte. Von
seiner hauptsächlichen Wirksamkeit als akademischer Lehrer in
Ingolstadt und Wien und als Vorsteher des von Kaiser Maximilian
errichteten Dichter-Collegiums, wie auch von seinen eifrigen Bemühungen
um die Verbreitung des Humanismus durch Errichtung
gelehrter Gesellschaften, wird in dieser alten Biographie mit keinem
Worte Erwähnung gethan. Die unvollständige Vita, welche ohne
Zweifel die Grundlage zu einer grösseren Biographie bilden sollte,
und von einem Mitgliede der rheinischen Sodalität wohl in der Zeit,
als Celtes noch nicht in Ingolstadt sein Lehramt angetreten hatte,
aufgeschrieben worden, besteht eigentlich aus zwei Theilen: aus dem
biographischen, der die Hauptmomente im Leben des Celtes von
seiner Geburt bis zum Jahr 1492 in ziemlich dürftigen Umrissen
und mit manchen unrichtigen Angaben enthält, und hei Aufzählung
seiner vertrautesten Freunde nur eben die, welche er vor
seiner Berufung nach Ingolstadt gehabt, anführt; und aus einer
Sammlung seiner Denksprüche und Grundsätze, welche von Mitgliedern
der rheinischen Sodalität als der besonderen Beachtung
würdig aufgezeichnet worden waren. Als die Oden des Dichters fünf
Jahre nach dessen Tode (1313) durch die Bemühungen seiner
Wiener Freunde mit Umgehung der Censur der theologischen
Facultät der Wiener Universität in Strassburg zum Drucke befördert
wurden, ward die unvollständige Vita beigefügt. Sie erhielt bei dieser
Gelegenheit Zusätze: erstlich ein kurzes Verzeichniss der vorzüglichsten
Werke des Dichters, dann die Angabe seines Todestages
(wobei nicht einmal der Sterbeort Wien erwähnt ist) und endlich
die Notiz von einer testamentarischen Verfügung über seine Bücher ')•
*) Unter den im Anhang- beigefügten Stücken ist auch die Vita Celtis abgedruckt.