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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Die  früheren  Wanderjahre  des  Conrad  Celtes.

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Dichter  und  dem  berühmtesten  Verbreiter  des  Humanismus  in  Deutschland ­
  noch  nicht  eine  Gesammtausgahe  seiner  Werke  besitzt:  ja,
dass  von  seinen  bedeutendsten  Dichtungen,  den  „libris  amorum“  wie
aucii  den  „libris  odarum“,  nur  eine  einzige,  höchst  seltene  Ausgabe ­
  existirt:  endlich,  dass  seine  Epigramme  und  die  Briefe  seiner
Freunde  an  ihn  wie  Manches  andere  nur  handschriftlich  Vorkommen
und  bis  jetzt  keinen  Herausgeber  gefunden  haben.
Die  von  der  gelehrten  rheinischen  Sodalität  herausgegebene ­
  Vita  des  Conrad  Celtes  liefert  nicht  eine  eigentliche ­
  vollständige  Biographie  des  gekrönten  Dichters,  sondern  nur
einen  fragmentarischen  Beitrag  zu  seiner  Lebensgeschichte.  Von
seiner  hauptsächlichen  Wirksamkeit  als  akademischer  Lehrer  in
Ingolstadt  und  Wien  und  als  Vorsteher  des  von  Kaiser  Maximilian
errichteten  Dichter-Collegiums,  wie  auch  von  seinen  eifrigen  Bemühungen ­
  um  die  Verbreitung  des  Humanismus  durch  Errichtung
gelehrter  Gesellschaften,  wird  in  dieser  alten  Biographie  mit  keinem
Worte  Erwähnung  gethan.  Die  unvollständige  Vita,  welche  ohne
Zweifel  die  Grundlage  zu  einer  grösseren  Biographie  bilden  sollte,
und  von  einem  Mitgliede  der  rheinischen  Sodalität  wohl  in  der  Zeit,
als  Celtes  noch  nicht  in  Ingolstadt  sein  Lehramt  angetreten  hatte,
aufgeschrieben  worden,  besteht  eigentlich  aus  zwei  Theilen:  aus  dem
biographischen,  der  die  Hauptmomente  im  Leben  des  Celtes  von
seiner  Geburt  bis  zum  Jahr  1492  in  ziemlich  dürftigen  Umrissen
und  mit  manchen  unrichtigen  Angaben  enthält,  und  hei  Aufzählung ­
  seiner  vertrautesten  Freunde  nur  eben  die,  welche  er  vor
seiner  Berufung  nach  Ingolstadt  gehabt,  anführt;  und  aus  einer
Sammlung  seiner  Denksprüche  und  Grundsätze,  welche  von  Mitgliedern ­
  der  rheinischen  Sodalität  als  der  besonderen  Beachtung
würdig  aufgezeichnet  worden  waren.  Als  die  Oden  des  Dichters  fünf
Jahre  nach  dessen  Tode  (1313)  durch  die  Bemühungen  seiner
Wiener  Freunde  mit  Umgehung  der  Censur  der  theologischen
Facultät  der  Wiener  Universität  in  Strassburg  zum  Drucke  befördert
wurden,  ward  die  unvollständige  Vita  beigefügt.  Sie  erhielt  bei  dieser
Gelegenheit  Zusätze:  erstlich  ein  kurzes  Verzeichniss  der  vorzüglichsten ­
  Werke  des  Dichters,  dann  die  Angabe  seines  Todestages
(wobei  nicht  einmal  der  Sterbeort  Wien  erwähnt  ist)  und  endlich
die  Notiz  von  einer  testamentarischen  Verfügung  über  seine  Bücher  ')•

*)  Unter  den  im  Anhang-  beigefügten  Stücken  ist  auch  die  Vita  Celtis  abgedruckt.
            
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