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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

P  f  i  z  in  a  i  e  r

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Tsin-yang  gefunden  worden.  Die  Kaiserin  Wen-te  hatte  ihn  beständig
in  ihren  Kleiderkasten  gelegt  und  entäusserste  sich  desselben  erst  zu
den  Zeiten  des  grossen  Kaisers.  Nach  drei  Tagen  fügte  die  Kaiserin
Perlen,  Seidenfäden,  Kleider  und  Kinderdecken  zu  dem  jungen
Drachen  aus  Edelstein  und  machte  es  zum  Geschenke.  Später  verwahrte ­
  man  diesen  beständig  in  dem  inneren  Versammlungshause.
Obgleich  seine  Breite  nicht  einmal  einige  Zolle  betrug,  war  etwas
so  Mildes,  Feuchtes,  Auserlesenes  und  Künstliches  unter  den
Menschen  nicht  zu  finden.
Als  der  Kaiser  zur  Nachfolge  gelangt  war,  pflegte  man,  so  oft
in  der  Mutterstadt  ein  lästiger  Regen  eintrat,  aufrichtig  zu  beten.
Wenn  der  Regen  langwierig  werden  sollte  und  man  jenen  Drachen
genau  betrachtete,  war  es,  als  ob  er  die  Schuppen  und  Mähnen
aufrichtete.
In  dem  Zeiträume  Khai-yuen  (713  bis  741  n.  Chr.)  herrschte
in  den  drei  Stützen  (den  drei  um  die  Mutterstadt  liegenden  Provinzen) ­
  grosse  Dürre.  Der  Kaiser  suchte  Abhilfe  durch  Gebet,  aber
nach  zehn  Tagen  war  noch  kein  Regen  erfolgt.  Der  Kaiser  warf
jetzt  insgeheim  den  Gegenstand  in  den  Drachenteich  des  südlichen
Inneren.  Da  erhoben  sich  plötzlich  Wolken  und  mit  ihnen  entstanden
Sturm  und  Regen.
Der  Kaiser  besuchte  das  westliche  Scho.  Die  Wagen  standen
reihenweise  an  dem  Flusse  Wei,  und  man  wollte  übersetzen.  Der
kaiserliche  Haltplatz  befand  sich  an  dem  Ufer  des  Flusses.  Unter  den
Aufwartenden  und  Wagenführern  des  Gefolges  waren  einige,  welche
auf  die  Strömung  blickten,  sich  mit  dem  Wasser  begossen  und
spielten.  Sie  fanden  den  Gegenstand  in  dem  Sande.  Als  dies  der
Kaiser  hörte,  erschrack  er  freudig.  Er  betrachtete  ihn  und  sagte
unter  Thränen:  Dies  ist  der  junge  Drache  aus  Edelstein,  der  mir
einst  kostbar  gewesen.  -—•  Seit  dieser  Zeit  erleuchtete  der  Gegenstand ­
  in  jeder  Nacht  mit  seinem  Glanze  das  ganze  innere  Haus.
Als  der  Kaiser  in  die  Mutterstadt  zurückgekehrt  war,  rauhte
ein  Leibwächter  des  gelben  Thores  den  Gegenstand  und  übersandte
ihn  Li-fu-kuö  Dieser  legte  ihn  immer  in  ein  Kästchen.  Als  Fu-kuö

1)  Li-fu-kuo  wurde  nach  Verübung  mehrerer  Gewalttaten  der  Vorsteher  der  Räume
und  zugleich  der  Gebietende  des  Buehfiihrers  der  Mitte.
            
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