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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

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II  Ö  fJ  er

Schaft  bei  Lebzeiten  karl’s  es  wagen  konnte,  sicli  an  den  Gegenpapst ­
  um  Bestätigung  Wenzels  zu  wenden  und  es  sicher  steht,  dass
letzterer  über  das  Vorgehen  der  schismatischen  Cardinäle  auf  das
Aeusserste  erbost,  nach  dem  Beispiele  seines  Vaters  unverrückt  an
Urban  VI.  festhielt.  Die  Urkunde  P.  Clemens  VII.  ohne  Tages-  und
Jahreszahl  darf  meiner  Überzeugung  nach  nicht  unter  die  ausgefertigten ­
  und  somit  eigentlich  historischen  Documente  gezählt  werden.
Bei  näherer  Betrachtung  stellt  sich  einfach  heraus,  dass  Papst
Urban  VI.  den  König  Wenzel  erst  dann  bestätigte  >),  als  er  selbst
von  den  abtrünnigen  Cardinälen  mit  Absetzung  bedroht ­
  wurde.  Seine  Bestätigung  verlor  dadurch  von  selbst  allen
Werth.  P.  Urban's  Gegner,  Clemens  VII.,  der  die  Vorgänge  im
Cardinaiscollegium  sehr  wohl  kannte,  und  selbst  erst  gewählt  worden
war,  weil  der  Plan,  Karl  V.  von  Frankreich  zu  wählen,  nicht  durchzubringen ­
  war,  bestätigte  gleichfalls  den  König,  entweder  nichts
davon  wissend,  dass  ihn  Urban  schon  bestätigt  hatte,  oder  doch  in  der
trügerischen  Hoffnung,  Wenzel  (wenn  auch  kaum  den  wenigstens
Oet.  1378  noch  lebenden  Karl)  für  sich  zu  gewinnen.  Von  dieser
Bestätigung  war  noch  weniger  zu  halten.
Die  Frage,  um  welche  es  sich  jetzt  noch  handeln  kann,  besteht ­
  darin:  wie  unterschied  sich  die  Wahl  Karl’s  IV.  von  der
seines  Sohnes?  Die  Antwort  liegt  zum  Theile  schon  in  dem  Gesagten. ­
  Die  gemeinsame  Grundlage  bildete  die  Capitulation  von
Avignon  vom  22.  April  1346.  Jedoch  fehlten  die  weiteren  Verpflichtungen ­
  ,  welche  Karl  IV.  in  Übereinstimmung  mit  seinem  Vater  auf
sich  nahm  und  die  ihn  in  seiner  ganzen  königlichen  Politik  beengten.
Ein  wesentlicher  Unterschied  bestand  ferner  darin,  dass  Karl's  Wahl
von  P.  Clemens  betrieben,  befördert,  ja  beinahe  anbefohlen  unter
der  Drohung  erfolgte,  der  Papst  werde  auf  dem  Wege  der  Provision
vorangehen,  und  doch  nur  eine  schismatische  war.  Sie  fand,  wie  der
Pfalzgraf  bei  Bhein  dem  Könige  von  Polen  schrieb 3 ),  nicht  statt  am

Dadurch  erklärt  sich  auch,  dass  nicht  mehr  auf  seinem  persönlichen  Erscheinen
bestanden  wird,  sondern  jetzt  sich  eher  der  Papst  entschuldigt,  dass  er  Wenzel
nicht  schon  früher  bestätigt  habe.  Das  war  die  erste  Wirkung  des  Schismas,  welches ­
  die  Päpste  von  den  Königen  ihre  Obedienz  abhängig  machte  und  das  päpstliche ­
  Staatensystem  in  seinen  Fundamenten  erschütterte.
2 )  Im  Auszuge  bei  Korner  ap.  Eccard  II,  p.  1070.  „Datae  sunt  per  se  ipsum  et  P.  Clementum
  VI.  et  per  Baldowinum  Archiepiscopum  Trevirensem  pecuniae  inaestimabiles
  principibus  electoribus.
            
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