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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Wenzel’«  von  Luxemburg-  Wahl  zum  römischen  Könige.  1376.

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führt  werde.  Bereits  seien  in  Arignon  Anstalten  zum  würdigem
Empfange  des  Kaisers  und  des  Königs,  deren  Ankunft,  nach  Karls
Zusage  vor  der  Wahl  stattfinden  sollte,  getroffen  worden.  Die
Sache  sei  neu  und  unerhört,  dass  bei  Lebzeiten  des  Kaisers  sein
Sohn  gewählt  werde.  Nur  mit  grosser  Mühe  habe  der  Papst  die  Zustimmung ­
  der  Cardinäle  gewinnen  können  und  er  müsse  daher  den
Kaiser  und  den  König  bitten,  vor  der  Wahl  nach  Avignon  zu  kommen,
um  die  vom  Kaiser  angenommenen  Bedingungen  zu  erfüllen.  Bereits  sei
es  überall  bekannt,  dass  der  Kaiser  kommen  werde;  es  würde  eben
desshalb  den  übelsten  Eindruck  machen,  wenn  er  nicht  komme.  Ebenso
wäre  es  für  Wenzel  wünschenswert!),  dass  er  käme,  die  Cardinäle
ihn  sähen  und  er,  wie  man  hoffen  könne,  eine  grössere  Verehrung
der  Kirche  mit  sich  nähme;  dadurch  würde  sich  ein  unauflösliches
Band  zwischen  ihr  und  ihm  bilden,  welches  ebenso  zum  öffentlichen
Nutzen  dienen  als  dem  königlichen  Hause  zum  Vortheile  und  zur
Ehre  gereichen  würde.  Zugleich  habe  der  Papst  sich  mit  dem  Kaiser
wegen  einer  gesunden  Reformation  (bona  reformatio)  zu  benehmen,
und  da,  wenn  der  Kaiser  käme,  viele  Fürsten  in  Person  nach  Avignon
ziehen  oder  ihre  Gesandten  schicken  würden,  könnte  um  so  leichter
Grosses  unterhandelt  werden.  Der  Kaiser  möge  bedenken,  dass  er
und  sein  Vater  in  ähnlicher  aber  ungleich  minder  wichtigen  Sache
nach  Avignon  gekommen  seien  und  mit  welcher  Zuneigung  Papst  und
Cardinäle  in  derselben  vorangegangen  seien.
Dem  Gesandten  war  aufgetragen  worden,  nicht  gleich  das  erste
Mal  den  Kaiser  aufmerksam  zu  machen,  dass  der  Gewählte,  ehe  er
nicht  bestätigt  worden  war,  sich  nicht  König  nennen,  noch  gekrönt
werden,  noch  königliche  Acte  verrichten  dürfe;  er  möge  deshalb  auf
das  Verfahren  P.  Johannes  gegen  K.  Ludwig  und  auf  Karl's  eigenes
Benehmen  hinweisen.  Der  gegenwärtige  Papst  könne  es  nicht  mit
seiner  Ehre  in  Einklang  bringen,  von  diesen  letzten  Vorgängen  gerade
zu  Umgang  zu  nehmen;  die  Ordnung  müsste  gewahrt  und  das  Versprechen ­
  gehalten  werden.
Der  Schatten  des  Jahres  1.J46  reichte  so  in  das  Jahr  137t>
hinein  und  die  Folgen  der  Capitulation  von  Avignon  ')  kehrten  sich
gegen  den,  der  sie  in  seiner  Jugend  abgeschlossen  hatte.

*)  Vgl.  Höfler:  Aus  Avignon.  §.  1.
            
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