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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

662  Höfler
lieh  sei,  seinen  Sohn  allein  zu  senden.  Wenn  daher  unter  diesen
Verhältnissen  die  Vornahme  der  Wahl  schon  Staunen  errege,  so  sei
dieses  noch  mehr  der  Fall  mit  der  angekündigten  Vornahme  der
Krönung;  ohne  dass  der  Gewählte  vom  Papste  bestätigt,  seine  Wahl
bekräftigt  sei,  dürfe  er  nicht  gekrönt  werden,  noch  sein  königliches
Amt  verrichten.  Karl  möge  vermeiden,  dass  nicht  die  ganze  Sache  als
fruchtlos  sich  darstelle,  die  Ankunft  des  Cardinais  Robert  abwarten
und  unterdessen  Odibert  von  Salo  (Propst  von  Pignans),  den  der
Papst  an  ihn  sende,-  anhören.  Letzterem  wurde  dann  noch  am  18.  Mai
der  Bischof  von  Agen  beigestellt,  w'eil  Cardinal  Robert  nicht  nach
Deutschland  kam,  sondern  plötzlich  nach  Italien  abgehen  musste.  So
standen  sich  denn  1376  der  Papst  mit  dem  Cardinalscollegium  und
der  Kaiser  mit  dem  Churfürsten  beinahe  so  schroff  in  ihren  Anschauungen ­
  gegenüber,  als  dieses  1346  der  Fall  gewesen.  Der  Einfluss ­
  auf  das  deutsche  Königthum,  welchen  das  Königschisma  den
Päpsten  verliehen,  und  die  Rechte,  welche  aus  den  damals  gemachten
Concessionen  geflossen  waren,  wurden  festgehalten  und  geltend  gemacht, ­
  w r o  es  sich  um  eine  einheitliche  Wahl  handelte.  Andererseits
war  aber  Wenzel  noch  ein  Knabe,  und  wenn  der  Papst  ihn,  den
schwierigen  Verhältnissen  der  Gegenwart  gegenüber,  für  untauglich
erachtete,  konnte  man  wenig  Triftiges  gegen  diese  Ansicht  einwenden.
Bei  Lebzeiten  Karl's  den  unmündigen  Sohn  zu  wählen  und  damit
den  Anfang  zu  einer  gewissen  Erblichkeit  des  Kaiserthrones  zu
machen,  widerstritt  allen  Traditionen  des  römischen  Stuhles;  ein
Clemens  VI.  hätte  sich  noch  viel  stärker  dagegen  ausgesprochen,  als
P.  Gregor  XI.,  der  Freund  K.  Karl’s.  Dieser  aber  hatte  offenbar  einen
fehlerhaften  politischen  Schritt  gemacht,  als  er  zuerst  auf  die  Bedingungen ­
  des  Papstes  einging  und  dann  plötzlich  auf  der  Basis  des
churfürstlichen  Beschlusses  vom  30.  März  davon  Umgang  nahm  und
nur  die  goldene  Bulle  als  Richtschnur  ansah.  Die  Erwähnung  der
Krankheit  des  Kaisers  im  Frühlinge  1376  darf  übrigens  vielleicht
als  ein  Fingerzeig  gelten,  warum  die  Churfiirsten  sich  entschlossen,
Wahl  und  Krönung  Wenzel's  nicht  länger  zu  verschieben.
Die  Gesinnungen  des  Papstes  treten  aus  der  Instruction  für  den
Nuntius  Odibert  unverhohlen  hervor.  Gregor  erklärte  sich,  was
wohl  zu  bemerken  ist,  nicht  gegen  den  Plan  des  Kaisers,  sondern
verlangte  nur,  dass  das  Wahlgeschäft  in  der  gehörigen  und  verabredeten ­
  Weise  (per  modosdebitos  et  concorditerordinatos)  zuEnde  ge-)


            
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