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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

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Hofier

glauben  machen,  wie  weise  es  handelte,  dass  es  den  eigentlich
königlichen  Gedanken  einigenbeschränkten  nationalen  Führern  zu
Liebe  und  von  diesen  verführt,  aufgab.
Nachdem  nun  die  Angelegenheit  mit  den  Churfürsten  so  weit
gekommen  war,  dass  sie  sich  entschlossen,  hei  Lebzeiten  Karl’s  zur
Wahl  seines  Sohnes  zu  schreiten,  ging  sie  ihren  ^geordneten  Weg.
Ende  März  1376  trafen  sie  in  Nürnberg  zusammen  und  schlossen
sie  ihre  Vereinbarung,  am  1.  Juni  (Pfingsten)  in  Frankfurt  zur  Wahl
zusammenzukommen.  Nach  alter  Sitte  zogen  sie  aber  zuerst  nach
Rense  <).  Hier  fand  jedoch  die  Wahl  noch  nicht  statt,  theils  weil  es
sich  darum  handelte,  oh  Ludwig  von  Meissen,  Bischof  von  Bamberg,
wirklich  als  Erzbischof  von  Mainz  anzusehen  sei  und  wählen  könne,
theils  weil  die  Erzbischöfe  von  Trier  und  Cöln  im  letzten  Augenblicke ­
  noch  „etwas  stössig“  mit  dem  Kaiser  wurden.  Diese  Stösse
wurden  aber  durch  neue  Concessionen  heigelegt  und  nun  zogen  die
Churfürsten  mit  dem  Kaiser  nach  Frankfurt,  das  bereits  Wenzel  als
Gewählten  empfangen  wollte,  was  jedoch  der  Herzog  von  Peigern  (der
Pfalzgraf  bei  Rhein),  welcher  die  Wahl  gesetzlich  leitete  und  alle  gebräuchlichen ­
  Formen  beobachtete,  nicht  duldete.  Dann  fand  am  10.  Juni
1376  in  der  Pfarre  zu  Frankfurt  die  einstimmige  Wahl  Wenzel’s  in
Gegenwart  des  Kaisers  statt,  und  das  Reich,  welches  so  lange  Zeit  nur
zwiespältige  Wahlen  gesehen  hatte,  genoss  so  durch  Karl’s  Vorsorge
das  seltene  Schauspiel  einer  einstimmigen  Königswahl,  eine  Thatsache,
  deren  grosse  Bedeutung  die  Opfer  wohl  aufwog,  welche  sich
Karl  hatte  kosten  lassen,  die  Stimmen  der  Churfürsten  zu  gewinnen.
Er  seihst  wusste  am  besten,  was  es  heisse  ein  mit  Zwiespalt  erwählter
König  zu  sein,  von  Ludwig  und  Friedrich,  von  Adolf  und  Albrecht,
von  Rudolf  und  Otokar,  von  Richard  und  Alfons,  Heinrich  Raspe  und
K.  Wilhelm  nicht  zu  reden.
Das  sollte  man  denn  doch  wohl  bedenken.  Die  goldene  Bulle
hatte  dadurch  ihre  Bekräftigung  erhalten.
Auf  die  Wahl  zu  Frankfurt  am  6.  Juni  folgte  dann  am  6.  Juli
1376  Wenzel's  Krönung  zu  Aachen.
Damit  war  dann  die  Sache  nach  den  Grundgesetzen  des  deutschen ­
  Reiches  und  ohne  dass  von  dieser  Seite  ein  Widerspruch  erfolgt ­
  wäre,  in  Ordnung  gebracht.  K.  Karl  war  sich  jedoch  nur  zu  sehr

3 )  1.  Juni  R.  T.  A  ,  n.  33,  S.  61.
            
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