Höfler. Wenzel’s von Luxemburg Wahl zum römischen Könige. 1376. 64:9
Wenzel’s von Luxemburg Wahl zum römischen
Könige. 1376.
Eine historische Untersuchung
von C. Höfler.
Das Jahr 1350, das berühmte Jubiläumsjahr, das auf Fürsten
und Völker so ergreifend einwirkte und dessen Giovanni Villani so
eigenthümlich gedenkt, war auch für den römischen König Karl IV.
von grosser Wichtigkeit geworden. Er hatte glücklich das Königschisma
beendigt und seiner Seits stand jetzt nichts mehr im Wege,
wenn P. Clemens VI. und, kann man wohl sagen, die Florentiner
wollten, nach Wiederherstellung der lange entbehrten Einheit des
Königthums auch den entscheidenden Schritt zur Wiederherstellung
des Kaiserthums zu wagen. Ehe jedoch dazu die Zustimmung des römischen
Stuhles erfolgte, erkrankte im Spätherbste 1350 König Karl und
nun traten auch von selbst die Fragen ein, was mit dem Reiche zu geschehen
habe, wenn dasselbe so rasch vacant würde; ob das Königthum
ferner seinen Sitz an der Moldau haben solle, ob dasselbe nicht wieder
vom Osten nach dem Westen des Reiches, nach dessen grösster Heerstrasse,
dem Rheine, zurückverlegt werden sollte? Man fasste im
Westen, noch ehe Karl s Söhnchen Wenzel rasch gestorben war t),
1351, die Eventualität einer Thronerledigung wohl in's Auge, wie
dieses der Beschluss des Ulmer Reichsstädtetages von 1350(30. Nov.)
beweist 2), und der eigene Schwiegervater K. Karl’s, dem man doch
*) Beness von Weitmil, p. 349, 557.
2 ) Weizsäcker, deutsche Reichstagsacten. S. 57, not. 2.