634
S c h e n k 1
Beschreibung jenes Gutes V, 3, 7—13 hervor. Meiner Ansicht nach
beweist diese Stelle gerade das Gegentheil; denn aus den in der
ganzen Beschreibung, wo nicht rein locale Momente erwähnt werden,
angewendeten Imperfecten, wie exoisc, jj.er eZ^ov, xapeZ^s, ixoioOvro,
auvsSYipw, Yiliaxero, erhellt, dass Xenophon, als er diese Stelle
schrieb, nicht mehr in Skillus lebte. Wenn Krüger bemerkt, dass
Xenophon nichts über seine Vertreibung durch die Eieier berichte,
so ist dies von keinem besonderen Belange; erhalten wir ja doch
auch über seine Verbannung, sein Verhältnis zu Agesilaos u. dgl.
kaum hie und da, wo sich eine Gelegenheit bietet, eine dürftige
Notiz. So sehr hat der Schriftsteller alles, was nicht zum Zuge der
Zehntausende gehört, in den Hintergrund treten lassen. Auch die
Beschreibung jenes Landgutes würden wir nicht erhalten haben,
wenn nicht Xenophon dadurch den Nachweis hätte liefern wollen,
dass er getreu seine Pflicht erfüllt und zugleich den geweihten Bezirk
auch für die Zukunft sichergestellt habe. Nach meiner Meinung ist
daher die Anabasis jedenfalls erst nach 371 (nach der Schlacht bei
Leuktra) geschrieben. Weniger entscheidend ist eine andere Stelle
VI, 6, 9, wo es heisst ripy^ov oe töte xdvrcov tojv 'EAAfivojv oi Axxsdcup.6vioi.
Diese ist offenbar zu einer Zeit geschrieben, wo die Lakedaimonier
nicht mehr die Herrschaft über alle Hellenen hesassen;
denn sonst wäre eine solche Bemerkung ganz überflüssig gewesen.
Aber man kann sich dieselbe ebenso gut vor als nach der Schlacht
von Leuktra verfasst denken, wiewol erst durch diese Schlacht die
Spartiaten ihre durch den Antalkidischen Frieden neu befestigte
Hegemonie verloren.
Wenn nun die Anabasis erst nach 371 geschrieben ist, so
unterliegt es wol keinem Zweifel, dass schon vor dem Werke des
Xenophon ein ähnliches unter demselben Titel vorhanden war, nämlich
die Anabasis des Stymphaliers Sophainetos. Diese ist bekanntlich
bis auf die vier Citate des Stephanos Byzantios (Mueller Fr. hist,
gr. II, 74) verloren und auch diese Citate geben über die Art der
Abfassung keinen Aufschluss *). Möglich, ja sogar wahrscheinlich,
dass Ephoros dieses Werk benützte und daher die abweichenden
Angaben in der Schilderung dieses Zuges bei Diodoros (XIV, 19—31)
*) Über den Katalogos am Schlüsse der Xenophontischen Anabasis, der nach Kiepert
aus der Schrift des Sophainetos entnommen sein soll, siehe oben S. 596.