Bericht üb. d. i. Aug. 1868 in Oberöst, angestellten Weisthiimer-Forschungen. 555
Bemühung, das Archiv zu sehen, vergebens. In Rohrbach, dessen
äusserst verwahrlostes Archiv icli unter reger Theilnahme der Marktvorstände
durchsuchte, fand sich niclits i), ebenso wenig auf dem
nahegelegenen Schloss Berg. Um so besser erging es mir im
Kloster Schlägl, dessen hw. Herr Prälat Dom. Lebschy mich nicht
nur freundlichst aufnahm, sondern auch, nachdem er mir Einsicht in
den Catalog des Archivs verstattet, die von mir bezeichneten Nummern,
hinter denen ich etwas vermuthen konnte, selbst aushob. Es fanden
sich daselbst drei Handschriften des Ehafttaidirigs von Aigen, zu denen
eine weitere Nachforschung in Aigen selbst noch eine vierte hinzubrachte
und ausserdem zwei vollständige Abschriften des Ehafts von
Haslach und ein 'Extrahirtes Vidimus’ aus demselben. Ausflüge von
Schlägl aus nach Peil st ein und Helfenberg, wo mir die Freundlichkeit
des Herrn Grafen v. Seau Einsicht in das wohlgeordnete
herrschaftliche Archiv vergönnte, biieben erfolglos, ebenso nachträgliche
Nachforschungen, die mein Freund Herr Stiftsbibliothekar Dr.
Adolf Glockseisen in Haslach und Lichtenau für mich anstellte.
Dagegen gelang es in dem sauber geordneten Marktarchiv zu
Neufelden gleich im ersten Anlauf das 'Pantäding puechlain’
des Marktes von 1523 aufzufinden, dessen Einsendung, von Herrn
Bürgermeister Schützenberger freundlich zugesagt, auch bereits
erfolgt ist. In Ottensheim brachte die genaue Durchsuchung
des freilich ganz in Unordnung gerathenen Marktarchives zwei Abschriften
eines Ehafttaidings von 1470 ein 3 ).
Von da nach Linz zurückgekehrt, wendete ich mich zu einem
gleichen Ausflug ins untere Mühlviertel. In Helmansod, wohin ich
zuerst kam, war nichts zu finden. Ein Brand im J. 1804 hatte, was
etwa an Documenten vorhanden war, vernichtet. Woher Grimm die
W r eisthümer 3, 684 mitgetheilten Bestimmungen aus einem Ehafttaiding
dieses Orts genommen, weiss ich nicht. Auch in Kurzen-Zwettl
suchte ich vergebens. Von diesem Orte ist der Commission
übrigens schon früher von anderer Seite ein Taiding zugekommen
(Siegel a. a. 0. S. 368); auch Grimm theilt (a. a. 0. Anm. 2) eine
*) Ein Eliaft von Rohrbach finde ich in einer Münchnerhandschrift des 16. Jhs. bei
Schmeller, Die deutschen Handschriften N. 2157. Bd. 1, 264.
2 ) Von dem Vorhandensein eines Taidings aus diesem Orte war der Commission
schon früher von anderer Seite Kenntniss zugekommen , s. Siegel a. a. 0. S. 369,
wo Ottersheim wohl Druckfehler für Ottensheim ist.