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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Der  Verbalausdruck  im  semitischen  Sprachkreise.

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und  ama-s,  altindisch  deva-s  und  a-bodha-s  lautlicli  einander  gleich
sind,  ja  sogar  das  schliessende  s  beiderseits  höchst  wahrscheinlich
auf  ein  älteres  t  zurückgeht  (ta-d,  tv-am),  so  sind  sie  nichts  desto
weniger  von  einander  himmelweit  verschieden.
Da  wir  im  Verlaufe  unserer  Abhandlung  nicht  umhin  können
werden,  auf  das  Pronomen  der  semitischen  Sprachen  im  Allgemeinen
einen  Blick  zu  werfen  und  sowohl  hier  als  auch  beim  Verbum  auf
die  Zahlenbildung  und  ähnliches  dem  Nomen  im  engeren  Sinne
Zukommende  einzugehen,  so  erscheint  es  uns  nothwendig,  die
Flexion  des  semitischen  Nomens  einer  kurzen  Betrachtung  zu  unterziehen. ­

Das  semitische  Nomen  besass  in  der  ältesten  Zeit  nur  drei
lautlich  von  einander  geschiedene  Casusformen,  nämlich:  Nominativ,
Genitiv  und  Accusativ.
Zeichen  des  Nominativs  ist  das  Pronomen  der  dritten  Person
hu,  analog  dem  s  der  indogermanischen  Sprachen,  welches  bekanntlich ­
  auf  den  Pronominalstamm  ta  zurückgeht.  Daher  lautet  der
Nominativ  vom  Stamme  kätiba:  kätib-u  (scribent-s).
Zeichen  des  Genitivs  ist  das  Adjectivsuffix  -i,  welches  bekanntlich ­
  innerhalb  der  semitischen  Sprachen  Adjectiva  relativa
bildet.  Die  indogermanischen  Suffixe  -as  und  -sya  (-tya)  dürften
verwandten  Ursprungs  sein.  Bekannt  ist,  dass  viele  der  jüngeren
indogermanischen  Sprachen  den  Genitiv  ganz  verloren  haben  und
ihn  durch  reine  Adjectivbildungen  ersetzen  müssen.  Der  Genitiv  des
Stammes  kätiba  lautet  demnach  kätib-i.
Zeichen  des  Accusativs  ist  der  Deutestamm  an.  Der  Accusativ
von  kätiba  lautet  demnach  kätib-an.
Die  alte  semitische  Sprache  scheint  einen  Artikel  -am,  -an
besessen  zu  haben,  dessen  Spuren  sich  besonders  im  Assyrischen
und  in  den  aramäischen  Sprachen  (wo  der  Nasal  schwand  und  ä
allein  übrig  blieb)  nachweisen  lassen 1 ).  Dieser  Artikel  hing  sich
an  die  Casusendungen  und  schmolz  mit  denselben  zusammen.
Dadurch  wurden  die  Vocallängen  der  letzteren  gekürzt  bis  auf  das
a  des  Accusativs,  welches  bekanntlich  oft  eine  Ausnahme  von  dieser
Regel  bildet.

Vgl.  Oppert.  Grammaire  assyrienne  p.  11.
            
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