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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

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M  i  k  1  o  s  i  c  h

sehen  Sätze,  in  denen  vor  dem  Infinitiv  eine  Präposition  steht:  oüösv
iKpd-^Sr)  öia.  rö  exscvov  [xv  napEivca,  und  diejenigen,  die  durch  wäre
eingeleitet  werden:  frjidicitg  xsv  ipyäaoaio,  wäre  ae  x’  eig  iviavröv
iyjiv.  Doch  will  ich  darauf  kein  allzu  grosses  Gewicht  legen,  da  ich
wohl  weiss,  dass  die  Reihe  der  an  eine  Regel  sich  mittelst  der  Analogie ­
  anknüpfenden  Spracherseheinungen  nicht  in  allen  ihren  Gliedern ­
  der  Regel  gleich  nahe  steht.  Diese  nach  meinem  Dafürhalten
unrichtige  Erklärung  kann  füglich  nur  durch  Aufstellung  der  l-ichti—
gen  beseitigt  werden.

3.  Erklärung  aus  der  Bedeutung  des  Accusativs.
Der  Accusativ  drückt  aus  das  Übergehen  eines  Begriffs  auf
den  anderen,  ein  Sich-Beziehen,  Sich-Erstrecken  auf  den  andern.
Wenn  das  regierende  verbum  sentiendi  oder  declarandi  im  Aetiv  steht,
so  ist  der  Infinitiv  ein  Accusativ:  cupio  drscere  wie  possum  scribere
(Accusativ).  Jetzt  soll  sich  das  discere  auf  das  Subject  „du“  beziehen:
das  Lernen  von  dir,  das  Lernen  deiner;  der  Ausdruck  des  Sich-Beziehens,
  Sieh-Erstreckens  ist  aber  der  Accusativ,  also  te.  Wo  im
Deutschen  beim  Substantiv  „das  Lernen“  der  Genitiv  des  Subjects,
z.  B.  „des  Schülers“  steht,  steht  im  Lateinischen  beim  Infinitiv  der
Accusativ  des  Subjectes:  Belagerung  der  Stadt,  oppugnari  urbem,
belagert  werden  (gedacht  als  sich  erstreckend,  ergreifend)  die  Stadt.
Steht  das  regierende  Verbum  im  Passiv,  so  wird  natürlich  der  Infinitiv ­
  der  Nominativ,  wie  alle  Accusative  überhaupt.  Und  so  wie  im
ersten  Fall  der  accusativus  cum  infinitivo  Object  des  Satzes  war,  so
wird  er  jetzt  Subject:  undique  eoncluditur  omnia  consilio  divino  administrari,
  das  Verwaltetwerden  von  Allem  (gleichsam  „alles“  afficierend)
  wird  geschlossen.  Ebenso  bei  den  Redensarten,  die  mit  est
gebildet  sind  und  verwandten:  verum  est  etc.;  credibile  est  hominum
causa  factum  esse  mundum,  das  Gemachtsein  der  Welt;  auch  hier
wird  factum  afficiert  von  esse  und  mit  mundum  dann  als  Adjectiv
verbunden.  Heideibergische  Jahrbücher.  1816.  pag.  937—939.
Über  diese  Erklärung  ist  wohl  nur  das  eine  zu  bemerken,  dass  uns
die  Grundbedeutung  der  Casus  unbekannt  ist,  diese  daher  nicht  zur
Erklärung  einer  Spracherscheinung  dienen  kann.
            
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