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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

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H  ö  f  1  e  r

commerciellen  Aufblühen  kämen,  Ostende  bedeutungslos  bliebe  und
die  kaiserlichen  Pläne  eines  Antheiles  der  Niederlande  am  Welthandel
zunichte  würden.
Man  kam  ferner  darin  überein,  die  Heirath  der  Erzherzogin
Maria  Theresia  mit  dem  Infanten  Don  Carlos  für  gefährlich  zu  erachten; ­
  man  hoffte  ferner  den  Kaiser  zu  bewegen,  spanische  Truppen  in
Parma  und  Toscanaaul'zunehmen,  während  das  französische  Cabinet  im
Geheimen  die  Pläne  Baierns,  Ansprüche  auf  das  österreichische  Erbe
zu  erheben,  unterstützte.  Der  Kaiser  stand  wieder  in  Betreff  der
schleswig-holsteinischen  Frage  auf  SeiteRusslands,  während  Preussen
mitHannovergespannt,  die  Zerwürfnisse  des  Herzogs  von  Mecklenburg
mit  dem  Kaiser  gerne  zu  einem  Einrücken  in  Mecklenburg  benützt
hätte.  Es  handelte  sich  somit,  kaum  dass  die  spanische  Erbschaft  ausgetragen ­
  war,  um  die  eventuelle  toscanische  der  Medici,  wie  um  die
der  Habsburger  in  Österreich  und  hatte  sich  der  letzte  Fürst  dieses
Hauses  der  Anwendung  von  Grundsätzen  zu  erwehren,  unter  welchen
bereits  seinem  Hause  das  spanische  Erbe  entzogen  und  Europa  in  den
unheilvollen  spanischen  Successionskrieg  geschleudert  worden  war.
Der  Kaiser  hatte  damals  nur  Einen  Weg,  zu  seinem  Ziele  zu  gelangen, ­
  w  e  n  n  e  r  i  n  allenStücken  d  e  m  A  n  d  r  i  n  g  e  n  s  e  i  n  e  r  G  e  gner
  nachgah  (im  Werk  von  Ostfriesland,  der  ostindischen  Compagnie ­
  und  dem  Barrierevertrag  in  Betreff  der  Holländer)  und  die  Interessen ­
  seiner  Unterthanen,  sowie  seine  eigenen  Rechte  dem  Verlangen
der  übrigen  Staaten  opferte,  wobei  freilich  erst  noch  die  Frage  war,
ob  der  Abgrund  dieser  Begehrlichkeit  zu  erfüllen  sei.
Die  nächsten  Aufzeichnungen  beziehen  sich  auf  die  Unterhandlungen ­
  über  die  Garantie  der  Erbfolgeordnung,  welche  ausdrücklich
als  die  conditio  sine  (jua  non  aller  weiteren  kaiserlichen  Erklärungen
bezeichnet  wird.  Der  leitende  Gedanke  des  kaiserlichen  Cabinetes  war 1 ),
dass  alle  Erbländer  vereinigt  bleiben  und  nur  Einen  Körper  der  Monarchie ­
  (uu  seul  corps  de  monarchie)  bilden  sollten.  Noch  war
von  der  Heirath  Maria  Theresia’s  mit  dem  Infanten  Don  Carlos  die
Rede.
Man  machte  die  Gesandten,  welche  dem  kaiserlichen  Cahinete
nicht  energisch  genug  aufgetreten  waren,  auf  die  Bemühungen  des

1)  Memoir  instructif  pour  le  comfe  Etienne  de  Kinsky  et  Ie  Baron  de  Fonseca  sur
leurs  relations  du  19  et  22  Sept.  1729.
            
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