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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Fragmente  zur  Geschichte  Kaiser  Kari's  VI.

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aufzutragen,  hievon  „zu  profitiren“.  „Der  König  fing  an  zu  begreifen,
dass  die  ganze  Sache  auf  die  Berg-  und  Jülich'sche  Succession  ankomme.“ ­
  Er  hatte  gehofft  durch  Anschluss  an  König  Georg  I.und  Ludwig ­
  XV.  die  beiden  Herzogthümer  zu  erlangen;  als  er  aber  befürchtete ­
  trotz  der  Herrenhäuser  Union  nichts  zu  gewinnen,  wohl  aber  in
Krieg  verwickelt  zu  werden,  verliess  er  dieselbe,  um  durch  den
Wusterhauser  Vertrag  f )  wenigstens  die  Halbscheid  in  gewinnen.
Das  Wiener  Cabinet  aber,  froh  aus  der  Herrenhäuser  Union  einen
Stein  herausnehmen  zu  können,  arbeitete  nun  bei  seinen  Pfälzer  Bundesgenossen ­
  für  den  König  von  Preussen,  „um  das  deutsehe  Vaterland ­
  von  dem  bevorstehenden  Unheil  zu  retten“.  Der
Kaiser  erklärte,  er  sacrificire  alles  den  gegenwärtigen  Umständen  und
b  e  trachte,'  dass  ein  kleines  Übel  ged  ul  d  en  b  esser  sei,
als  eine  universale  Umstürzung  zu  gewärtigen.  Er  wusste,
dass  man  dahin  arbeitete,  die  Kaiserkrone  auf  einen  Protestanten
überzutragen,  die  österreichischen  Länder  zu  theilen  und  deshalb
bereits  mit  Baiern  und  anderen  Mächten  Unterhandlungen  angeknüpft
worden  waren.
Grund  genug,  alles  aufzubieten,  um  den  König  von  Preussen
von  der  Herrenhäuser  Union  abzuziehen.  War  es  ein  Fehler  K.  Kari’s,
wenn  er  erklärte,  er  setze  das  Interesse  seines  Erzhauses  aus  Liebe
zu  des  deutschen  Vaterlandes  Besten  allezeit  gerne  bei  Seite?
Noch  ein  Ineidenzereigniss  erlangt  aus  den  Kinsky’schen  Berichten ­
  Aufhellung 3 ).  Lord  Malion  führt  an,  daß  König  Georg  bei  Eröffnung ­
  des  Parlamentes,  Jänner  1727,  in  der  Thronrede  sich  darauf
berief,  aus  der  zuverlässigsten  Quelle  zu  wissen,  dass  einer  der  geheimen ­
  Artikel  des  Wiener  Vertrages  zwischen  dem  Kaiser  und  der
Krone  Spanien  die  Wiedereinsetzung  des  rechtmässigen  Erben  der
Krone  von  Grossbritannien,  des  Stuartischen  Prätendenten,  bezwecke.
Der  König  erreichte  dadurch  was  er  wollte,  Subsidien  vom  Hause
der  Gemeinen.  In  Wien  aber,  wo  man  wohl  wusste,  dass  König  Georg
die  Theilung  der  österreichischen  Niederlande  betreibe,  dem  Könige
in  Preussen  Berg  und  Jülich  und  eine  Armee  von  80.000  Mann  angeboten
  habe,  machte  die  Sache  ein  um  so  peinlicheres  Aufsehen,  als

*)  Übrigens  wurde  der  darin  festgestellte  Termin  von  6  Monaten  im  April  auf  3  andere
ausgedehnt.
2 J  Gesch.  Englands  seit  dem  Utrechter  Frieden,  II,  S.  123  IF.
            
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