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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

II  fl  Mer

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von  pfälzischbaierischen  Unterhandlungen,  um  das  Reich  neutral  zu
halten,  wenn  es  zum  Kriege  zwischen  Frankreich  und  dem  Kaiser
käme.  Schon  war  auch  von  Polen  die  Rede,  um  Preussen  damit  zu
entschädigen,  worunter  man  aber  die  Erbgüter  der  Pfalzgräfin  in
Litthauen  ( )  verstand,  für  welche  sodann  noch  3  schlesische  Fürstenthümer
 2 )  (Brieg,  Liegnitz,  Wolau)  an  Sulzbach  abzutreten  seien 3 ).
Kinsky  beharrte  zuletzt  auf  der  Abtretung  von  Ravenstein,
während  der  Pfalzgraf  Alles  von  sich  wies.  In  der  Conferenz  vom
3.  Februar  betonte  Kinsky,  dass  bei  Preussen  die  Möglichkeit  eines
Äquivalentes  für  Berg  vorhanden  sei.  Namentlich  wollte  aber  der
Pfalzgraf  Christian  ohne  eine  schriftliche  Versicherung  des  Kaisers,
dass  seinem  Hause  Jülich  und  Berg  ewig  bleiben  sollten,  von  keiner
Unterhandlung  in  Wien  etwas  hören 4 );  er  selbst  galt  aber  als  jähe,
capriciös,  so  dass  jeder  ehrliche  Mann  Abscheu  hege,  ihm  dereinst
zu  dienen  5 ).  Erst  am  1.  April  1727  konnte  Kinsky  melden,  dass  der
Churfürst  und  der  Pfalzgraf  sieh  entschlossen  hätten,  wirklich  in
Wien  in  Verhandlungen  zu  treten,  worauf  Kinsky  selbst  sich  nach
Wien  begab.
Die  Unterhandlungen  hatten  eine  schwere  Wunde  im  deutschen
Reichskörper  aufgedeckt.
Einerseits  musste  der  Kaiser  gewärtig  sein,  dass  deutsche  Reichsfürsten ­
  im  Kampfe  mit  dem  Auslande  ihn  ihm  Stiche  Hessen,  wie  die
Herrenhäuser  Union  an  den  welfischen  und  den  hohenzoller’schen
Churfürstenkönigen  hinlänglich  zeigte  und  in  Betreff  des  Gesammthauses
  Baiern  befürchtet  wurde  ;  andererseits  trat  immer  klarer
hervor,  dass  die  Pläne  Preussens  die  Auflösung  des  deutschen  Reiches
herbei  führen  mussten,  der  Untergang  desselben  von  dieser  Seite  erstrebt ­
  wurde.

*)  Elisabeth  Augusta,  Tochter  der  Louise  Charlotte,  Fürstin  von  Radzivil,  Gemahlin
des  Erbprinzen  von  Sulzbach,  Josef  Karl.
2 )  Diese  Güter  hatten  einen  Umfang-  von  200  poln.  Meilen  und  trugen  bei  guter
Wirthsehaft  300.000  fl.,  ja  600.000  fl.
*)  Dieser  Austausch  wurde  kais.  Seits  am  22.  Februar  1727  für  unthunlich  erklärt,
in  Betreff  der  polnischen  Güter  aber  doch  an  Preussen  ein  Vorschlag  gemacht
(Schreiben  Sinzendorfs  am  24.  Februar).
Bericht  vom  8.  März  1727.
5 )  Worte  des  Churfürsten.
            
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