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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Fragmente  zur  Geschichte  Kaiser  KmTs  VI.

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Der  Gesandte,  welcher  zwischen  dem  Kaiser  und  dem  Czaren  „die
alte  vertrauliche  Freundschaft  wieder  hergestellt  hatte“,  bewarb
sich  jetzt  (April  1722)  um  seine  Abberufung.  Er  erklärte,  dass,
wenn  es  zu-Unterhandlungen  in  Betreff  einer  Allianz  käme,  der  czarische
  Hof  „kein  geringstes  Recht  zur  neu  angenommenen  Kaisertitulatur ­
  sich  erschleichen  dürfe“.  Er  berichtete  noch  über  die  Vorbereitungen ­
  des  Czaren  zum  persischen  Kriege,  sowie  von  der  Bereitwilligkeit ­
  des  letzteren  zu  einer  Allianz  mit  dem  Kaiser.  Man  glaubte
aber  in  St.  Petersburg,  dass  es  dem  Kaiser  mit  einer  ewigen  Allianz
nicht  vollständig  Ernst  sei,  wesshalb  Kinsky  aufmerksam  machte,
dass  eine  fernere  Zögerung  für  eine  Verachtung  angesehen  werde,
während  man  russischer  Seits  bis  dahin  auf  keine  andere  Allianz  sich
eingelassen  habe.  Der  Czar  denke  jedoch  nicht  daran,  sich  mit  dem
Kaiser  gegen  andere  Mächte  als  gegen  die  Türken  zu  verbinden.
Gegenwärtig  bestrebe  er  sich  nur  seine  Eroberungen  zu  erhalten
und  den  Handel  mit  Russland  (nach  Art  der  Navigationsacte)  seinen
eigenen  Schiffen  zuzuwenden.  Nachdem  der  Czar  bereits  von  Moskau
nach  Astrachan  verreist  war,  berichtete  der  Gesandte  noch,  die  Anerkennung ­
  des  Kaisertitels  von  Seiten  der  Niederländer  sei  erfolgt;
Ragozzi  bewerbe  sich  um  die  Hand  der  verwittweten  Herzogin  von
Curland  und  suche  selbst  Herzog  von  Curland  zu  werden.
Am  8.  Juli  erhielt  Kinsky  die  Erlaubnis  zur  Rückkehr,  die
er  dann  auch  sogleich  antrat,  ohne  den  Auftrag  in  Betreff  gewisser
schlesischer  Handelsverhältnisse,  um  deren  Förderung  er  sich  so
sehr  bemüht,  nach  Wunsch  in  Ordnung  gebracht  zu  haben.
Die  Mission,  deren  Berichte  vom  26.  September  1721  bis
6.  Juli  1722  laufen,  und  die  hauptsächlich  ein  gutes  Verhältnis»  mit
dem  Czaren  anzubahnen  bezweckte,  die  Ausforschung  der  gegenwärtigen ­
  Tendenzen  des  Czaren,  in  wieferne  sie  den  Kaiser  betrafen,
und  der  Macht  und  Hilfsquellen  des  neuen  russischen  Kaiserthums,
konnte  im  Ganzen  als  gelungen  betrachtet  werden.  Kinsky  scheint
sich  die  Achtung  des  Czaren  erworben  und  eine  wenn  auch  kleine
österreichische  Partei  bei  Hofe  begründet  zu  haben.  Seinen  Berichten
liegen  die  ausgedehntesten  Darlegungen  des  russischen  Finanz-  und
Militärwesens,  selbst  die  Übersetzung  eines  russischen  Katechismus ­
  bei.
Das  Vertrauen,  mit  welchem  Kinsky  bald  nachher  zu  weiteren
Missionen  beehrt  wurde,  war  der  beste  Beweis  des  glücklichen  Aus-
            
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