Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

432

Hofier

I.  Die  Gesandtschaftsreisc  des  Grafen  Stefan  Kinsky  nach  Russland.
1721  und  1722.
Die  Mission  an  den  Hof  des  Czaren,  welcher  kurz  vorher  sich
in  einer  nichts  weniger  als  Österreich  freundlichen  Weise  in  die
ungarischen  Wirren  eingemischt  hatte,  betraf  eine  Reihe  sehr  wichtiger ­
  Punkte.  Czar  Peter  hatte  seine  Pläne  auf  Deutschland  gerichtet; ­
  er  stand  mit  dem  Herzoge  vonMeklenburg  wie  mit  dem  von  Holstein
in  intimen  Beziehungen,  bewies  aber  eine  dem  kaiserlichen  Cabinete
  höchst  unangenehme  „Animosität“  wider  Hannover.  Er  gedachte
sich  in  die  nächste  polnische  Königswahl  einzumischen,  durch  Canalbauten ­
  sich  die  Möglichkeit  zu  verschaffen,  gegen  Persien  eine  dominirende
  Stellung  zu  gewinnen,  eben  so  Dänemark  und  den  Sund  in
seine  Politik  zu  ziehen,  um  auch  nach  dieser  Seite  an  dem  „Weltcommercium“
  Antheil  zu  nehmen,  wozu  ihm  „seine  spielende  Politik
mit  dem  König  und  den  Senatoren  von  Schweden“  gleichfalls  dienen
sollte.  Man  befürchtete  seine  Verbindungen  mit  Spanien  wie  mit
dem  Stuartischen  Prätendenten.  Man  musste  auf  Alles  gefasst  sein,
da  Peter  gerade  jetzt  durch  den  Nystädter  Frieden,  30.  Aug.  1721,
die  lange  Rivalität  Russlands  mit  Schweden  siegreich  beendigt  hatte
und  auf  dem  Gipfel  seiner  Macht  stand.  Man  wollte  daher  in  Wien
wissen,  wie  weit  Peter  am  baltischen  Meere  um  sich  zu  greifen  gedenke? ­
  zu  welchem  Zwecke  er  seine  Flotte  auslaufen  lasse?  ob  er
dem  Herzoge  von  Holstein  zum  Besitze  von  Schleswig  zu  verhelfen,
an  wen  er  seine  Princessinen  zu  verheiraten  beabsichtige?  Man  war
der  Überzeugung,  „dass  der  Czar  gar  bewegt  würde,  in  Vielem  von
seinen  und  seiner  Voreltern  gefassten  Fundamentalprincipien  aus  grosser ­
  Neigung  zu  seinen  Kindern  abzuweichen“.  Es  interessirte  ferner
in  hohem  Grade  zu  wissen,  in  welchem  Verständniss  der  Czar  mit  dem
König  inPreussen  stehe,  so  wie  das  Schicksal  der  Kinder  des  Czarewitsch
  Alexei  und  die  künftige  Erbfolgeordnung.  Endlich  wollte  man
genaue  Auskünfte  über  den  Stand  der  katholischen  Religion  und  des
Militärwesens,  sowie  über  die  Hoffnungen  gewinnen,  die  sich  der
moldauische  Fürst  Cantimir  in  Betreff  einer  russischen  Unterstützung
mache.
Die  Erklärungen,  welche  Kinsky  erlangte,  waren  sehr  befriedigend, ­
  obwohl  derselbe  noch  von  Moskau  aus  am  29.  Mai  1722
klagte,  zwei  kaiserliche  Rescripte  seien  verloren  gegangen  und  die  neue
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.