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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Fragmente  zur  Gesehichle  Kaiser  Kari’s  VI.

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beschloss  endlich,  sich  in  einem  eigenen  Schreiben  an  den  König  von
Preussen  zu  wenden  und  demselben  die  Meinung  vorzustellen,  welche
die  Markgrafen  über  die  rechtliche  Tragweite  des  Erbvertrages
hatten,  sich  deshalb  auch  an  den  Kaiser  (Josef  I.)  zu  wenden.  Mit
dem  Könige  entspann  sich  ein  ganzer  Briefwechsel,  in  welchem
geradezu  dem  verstorbenen  Markgrafen  Christian  Heinrich  das  Recht
streitig  gemacht  wurde,  den  abgeschlossenen  Vertrag  einzugehen,
da  durch  diesen  Schritt  die  brandenburgischen  Hausverträge  verletzt
worden  wären.  Man  habe  damals  den  Recess  gar  nicht  zur  Einsicht
bekommen.  Wohl  sei  preussischer  Seits  gesagt  worden,  der  Vertrag
sei  den  Gerechtsamen  des  Markgrafen  nicht  schädlich;  das  finde  sich
aber  jetzt  ganz  anders.  Man  begehre  also  die  Investitur  und  denkaiserlichen ­
  Lehenbrief  nach  der  alten  Form.  Hierauf  fand  eine  Conferenz
zu  Nürnberg  zwischen  dem  preussischen  Minister  von  Plotho  und
dem  fürstlich  baireuth’schen  Hofrath  Schweser  statt.  Plotho  erklärte
mit  dürren  Worten:  sein  König  weiche  ein  für  alle  Mal  nicht  ab,  besitze ­
  ein  jus  quaesitum  ex  facto  et  subsecuto  conseimi  agnatorum.
Die  Sache  sei  eclatant  und  die  Ehre  des  Königs  dabei  engagirt.  Das
Haus  Baireuth  sei  zufrieden,  Ansbach  könne  den  Consens  nicht  mehr
zurückziehen,  es  komme  sonst  zum  Process  und  die  Belehnungsfrage
in  Stocken.  Es  müsse  bei  dem  1706  in  Nürnberg  concertirten
Lehenbrief  bleiben  und  was  den  Widerspruch  des  Markgrafen  Karl
August  betreife,  so  werde  der  König  es  schon  mit  ihm  auszumachen
wissen.  1710.
Allein  der  Widerstand  gegen  den  preussischen  Plan,  an  den
Main  vorzurücken,  nahm  sichtbar  zu.  Auch  der  Bischof  von  Würzburg ­
  Johann  Philipp  trat  auf  die  markgräfliche  Seite.  Die  Angelegenheit ­
  wurde  bei  dem  Kaiser  nachdrücklich  betrieben,  in  Ansbach  zu
diesem  Zwecke  ein  eigenes  Collegium  niedergesetzt,  in  Weferlingen
endlich  durch  Brehmer  die  Prinzen  gewonnen  und  der  Plan  gefasst,
sie  nach  Franken  zu  bringen,  um  dort  die  Hilfe  der  Kreisstände  anzurufen. ­
  Letzteres  misslang  1712.  Nun  aber  suchte  Brehmer  ohne
Rast  und  ohne  Ruhe  durch  den  schwedischen  Gesandten  den  churbraunschweigischen ­
  Minister  von  Alvensleben  zu  gewinnen  und
brachte  endlich  eine  Zusammenkunft  des  Prinzen  Georg  Friedrich
Karl  mit  dem  Markgrafen  von  Ansbach  zu  Triesdorf  zu  Stande,
wobei  letzterer  jenem  alle  Hilfe  versprach,  wenn  er  sich  von  dem
Erbfolgevertrage  frei  machen  wolle.

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