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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Fragmente  zur  Geschichte  Kaiser  KaiTs  VI.

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Dem  Vertrage  zu  Schönberg  am  23.  Nov.  1703  folgten  von
Seiten  der  Krone  Preussen  Anstalten,  auch  eines  oder  beide  Fürstenthürner
  zu  besetzen,  und  als  der  Erbprinz  von  Baireuth  Georg  Wilhelm ­
  sich  der  Erfüllung  des  Vertrags  ungeneigt  zeigte,  ergingen  an
ihn  sehr  nachdrückliche  Ermahnungsschreiben;  „denn  an  dem  baireuthischen
  Hofe,  sagt  unser  Gewährsmann,  war  alles  an  die  königliche ­
  Partei  „verrathen“.  Im  J.  1703  wurde  die  wichtige  Festung
Plassenburg  mit  preussischen  Truppen  besetzt,  ein  Bataillon  in  das
Fürstenthum  oberhalb  des  Gebirges  verlegt  und  massenhaft  Occupationspaquete
  mit  königlichen  Patenten  und  Wappen  für  den  Fall  der
Besitzergreifung  in  das  Land  geschickt.  Ebenso  suchte  man  auch  die
ansbaehische  Landesfeste  Wülzburg  zu  besetzen,  die  fürstlichen
Diener  zu  gewinnen  und  Eifersucht  zwischen  den  beiden  Linien  zu
erwecken.
Schon  als  am  29.  März  1703  Markgraf  Georg  Friedrich  von  Ansbach ­
  starb  und  ihm  sein  Bruder  Markgraf  Wilhelm  Friedrich  in  der
Regierung  nachfolgte,  wurde  preussischer  Seils  verlangt,  „dass  der
neue  ansbaehische  Lehensbrief  in  der  Successionsordnung  nach  dem
neuen  Culmbachischen  Renunciations-Pactum  eingerichtet  und  die
in  dem  vorigen  Lehenbriefe  eingeschlichenen  ganz  evidenten  errores
redressirt  wurden“.  Man  fand  jedoch  darin  einen  Ausweg,  dass  man
sagen  konnte,  man  habe  von  dem  neuen  Successions-Pactum  noch
keine  hinlängliche  Nachricht,  keine  glaubwürdige  Abschrift  erhalten; ­
  wohl  aber  habe  der  König  erklärt,  dass  dieses  der  ansbacliischen
  Linie  kein  Präjudiz  schaffen  solle.  Um  so  weniger  wisse  man
etwas  von  Irrthümern,  die  sich  in  den  früheren  Lehenbrief  eingeschlichen ­
  hätten.  Es  herrschte  unter  den  fürstlichen  Rüthen  damals
die  Ansicht,  dass  die  von  Markgraf  Christian  Heinrich  geschehene
Cession  nicht  wirkungslos  gemacht  werden  könne,  wesshalb  man
auch  die  Krone  Preussen  versichern  liess,  man  werde  in  die  Successionssache
  einwilligen.  Zu  gleicher  Zeit  ward  jedoch  eine  Staatsschrift ­
  ausgearbeitet  und  die  Frage  erörtert,  was  sich  in  der  Sache
weiter  thun  lasse.  Ein  Briefwechsel  zwischen  dem  Markgrafen  von
Ansbach  und  dem  Erbprinzen  von  Baireuth  über  diese  Angelegenheit
wurde  angefangen,  musste  aber  abgebrochen  werden,  als  sich  herausstellte, ­
  dass  der  Secretär  des  Herrn  von  Reichenbach  Vockerorde  die
Geheimnisse  des  fürstlichen  Hofes  an  Preussen  verrathen  habe.  Derselbe ­
  Herr  von  Reichenbach  stellte  endlich  im  Herbste  1707  an  den

Sitz.!),  d.  phil.-hist.  CI.  LX.  Bil.,  II.  Heft.

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