Über Brumalia und Rosalia etc. 403
schein]ich; erst ein zweiter, eben so mächtiger Stoss gab dazu den
Anlass.
Folgenreich für die endliche Gestaltung der Völkerverhältnisse
auf der Balkanhalbinsel war die dauernde Ansiedelung der Bulgaren
in Moesien. Sie unterjochten nicht nur die daselbst hausenden sieben
slovenischen Stämme; seit der Regierung des Constantinus V. Copronymus
zeigen sie auch das offene Bestreben, sich mit Macht gegen
Süd und West auszubreiten und die makedonischen Slavenstämme
zu verdrängen. Auch Theile der Romanen oder Vla-/en scheinen
durch sie von der Stelle gerückt worden zu sein.
Im Jahre 762. ziehen 208.000 Slaven, von den Bulgaren gedrängt,
aus ihren heimischen Sitzen und erhalten von dem Kaiser
Wohnsitze in Bithynien an dem Flusse ’Apravocg (Nicepb. Patr. 74
Theophanes 667). Zu gleicher Zeit erhielt auch Hellas neue slavische
Schaaren vgl. die berühmte Stelle bei Const. Porphyrog. de them. II
6: iaSlccßüjS-ri redox r, yüpx v.cä yiyovs ßdpßxpog. Im Jahre 773
zieht ein Bulgaren-ßoj'Xäg aus dg rö xlyjp.akom\ioxi z'qv Bep&ziav
(Theophan. 691). Im Jahre 812 richtet der Bulgarenfürst Krum in
Thracien schreckliche Verheerungen an: rorz z«t ' AyyJ.x'kvj /.cd
Bipöwv dfivrzg ypiorixvoi zrpvyov • Nixxcxv zz xod zd roü Upoßoczox)
xxozpov xat ak'ka. zivx oyyportj.xzx citoxvzojg y.xi zr/j fyikiKnoOTrokiv
/.cd (pilinncj’jg /.cd rdv Xrpvp.tZvix oi/.ovvrzg yzvyovrsg izcc'/v^oy.
(Theopb. 772.) — Unter Krum’ s Nachfolger Uinurtagu scheint
sich der folgenschwere Assimilierungsprocess der Bulgaren an die
unterworfenen Slavenstämme vollzogen zu haben, wenn auch die
alte wolga-bulgarische Sprache sich noch einige Zeit erhalten haben
mochte. Durch diese Assimilierung wurde das slavische Element das
herrschende, und das Bulgarenreich gewann im Westen bedeutend
an Umfang; schon vor Boris muss das Vardar- Drin- und Devolgebiet
dem Bulgarentlnirn zugefallen sein.
Auch später hören wir noch von einer Massenwanderung. Im
Jahre 929 drangen bulgarische Schaaren, welche sich gegen den
schwachen Peter zu Gunsten des älteren Sohnes Simeon’s Michael
empört hatten, quer über die Struma nach Thessalien und Hessen
sich in dem Thema Nikopolis als Unterthanen des griechischen
Kaisers nieder (Cedren. II p. 312 Theophan. cont. 420). Daraus
erklärt sich, dass dem Stuhle von Neu-Patras auch ein Bischof,
6 Kourtickypoi'/, untergeben ist (Zeuß 718); aber auch die Ansie-