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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

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Tomaschek

freiheit  eingetreten,  indem  der  Staat  sich  passiv  verhielt  und  keine
Religion  zur  officiellen  erklärte.“
In  dem  schon  genannten  Kalendarium  Lambecianum,  welches
unter  Kaiser  Constantius  II.  (337—361)  aufgezeichnet  wurde  und
die  damals  unter  den  Heiden  bestehende  Festordnung  der  Stadt  Rom
enthält,  finden  wir  ebenfalls  eine  Andeutung  des  Rosenfestes,  freilich
zu  einem  etwas  späteren  Tage  (Graevii  Thes.  Antiq.  Rom.  VIII
p.  99):
X•KAL  ■  IVN■  MACELLVS  ROSA  SVMAT.
Avellino  (p.  249)  meint,  die  Fleischbuden  seien  mit  Rosen  geschmückt ­
  worden,  wie  zur  Zeit  der  Vestalia  die  Mühlen,  oder  wie
nach  demselben  Kalendar.  VIII.  Id.  Jun.  der  Coloss  mit  Blumenkränzen ­
  geschmückt  wurde,  und  liest  demnach:  macellus  rosas
sumat;  richtiger  scheint  uns  jedoch  die  Auffassung  Mommsens,
welcher  MACELLVS  durch  einen  Punkt  trennt  von  ROSA  SVMATur,
so  dass  wir  übersetzen  müssen  „Fleischmarkt.  Die  Rose  werde  genommen.“ ­
  Wurde  das  Rosenfest  in  Rom  damals  am  XXIII.  Mai  abgehalten, ­
  so  stimmt  diess  recht  gut  zu  dem  späteren  Ineinanderfliessen
der  Rosalien  mit  dem  Pfingstfest.
Aus  einer  inschriftlichen  Urkunde  ersehen  wir  auch,  dass  die
Rosalien  sogar  erst  am  XX.  Junius  gefeiert  wurden;  eine  solche  Abweichung ­
  mochte  wohl  nur  in  Collegienordnungen  Platz  gegriffen
haben,  welche  auf  einen  kleinen  privaten  Kreis  von  Genossen  beschränkt ­
  waren.  Wir  meinen  die  Lex  conlegii  Silvani,  welche  eine
sanetio  L  •  Domitii  Phaonis  ex  voto  suscepto  pro  salute  Domitiani
enthält  (Avellino  Opuscoli  diversi  vol.  III.  p.  303  Mommsen  I.  R.  N.
No.  212  Henzen  No.  6083).  Phaon  vermacht  vier  Landgüter  den
Genossen  des  Collegiums  Silvani  mit  der  Bestimmung  (v.  10—18):
ut  ex  reditu  eorum  fundorum  qui  supra  scripti  sunt
KAL  •  IANVariis
et  III  IDVS  FEBRuarias  Domitiae  Augustae  nostrae  natale
et  V  K  IVLIAS  dedicatione  Silvani
et  XlT  K  IVLIAS  ROSALIBVS
et  IX  K  NOVEMBRes  natale  Domitiani  Augusti  nostri
acrum  in  re  praesenti  fieret  convenirentque  ii  qui  in  conlegio  essent
ad  epulandum,  curantibus  suis  cuiusque  anni  magistris  etc.
            
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