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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Über  ßrumalia  und  Rosalia  etc.

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dei-  Göttin  Flora  (Preller  R.  M.  378.  381)  oder  der  namentlich  in
Campanien  verehrten  Venus-Aphrodite  gefeiert  wurden.
In  einer  auf  Befehl  des  Kaisers  Valentinianus  II.  publicierten
Fest-  und  Ferienordnung  für  die  Provinz  Campania  aus  dem  Jahre
387,  dem  sogenannten  Feriale  Campanum,  welches  zu  Capua  bei
Ausräumung  des  Amphitheaters  gefunden  wurde  und  das  zuerst  der
Archäologe  F.  M.  Avellino  herausgegeben  und  mit  einem  vortrefflichen ­
  Commentar  begleitet  hat(Opuscoli  diversi  vol.  III,  Napoli  1836
p.  215  —  307.  vgl.  Th.  Mommsen  I.  R.  N.  n°  3571),  findet  sich  als
Fest  verzeichnet.  (Av.  p.  216):
IIP  ID  VS  •  MAI  ROSARIA  •  AMPLIE  AFRE.
Am  XIII.  Mai  also,  an  welchem  Tage  nach  Ovid  der  Sommer
beginnt,  wurde  zu  Capua  ein  öffentliches  Rosenfest  abgehalten;  die
Bürgerschaft  ergieng  sich  in  den  Rosengärten  der  Amplia  Afra  <)
und  ergötzte  sich  an  Schmausereien  und  ßekränzungen.  Die  Kosten
des  Festes  wurden  aus  dem  Ertrage  der  Gärten  bestritten,  welche
Afra  der  Gemeinde  zur  allgemeinen  Festlust  vielleicht  mit  der  testamentarischen ­
  Nebenbestimmung  vermacht  hatte,  dass  an  demselben
Tage  an  ihrem  Grabmonumente  Bekränzungen  stattfinden  sollten.  —
Wie  Th.  Mommsen,  der  nach  Avellino’s  Vorgang  in  den  Rosalien  das
Sommerfest  erkennt,  des  weiteren  auseinandersetzt  (Berichte  über
die  Verhandlungen  der  k.  sächs.  Ges.  d.  Wiss.  z.  Leipz.  II.  Bd.
1850.  S.  69—72),  ist  diese  campanische  Festordnung  ein  wichtiges
Monument  der  merkwürdigen  Ubergangsepoche  vom  Heidenthum
zum  Christenthum:  die  gestatteten  Feste  entbehren  wenigstens  der
Aussenseite  nach  des  specifisch  heidnischen  Charakters  und  bestehen
aus  Lustbarkeiten,  an  welchen  Christen  und  Heiden  sich  susammenfinden
  konnten:  entweder  sind  es  Feste  welche  dem  Naturjubel
einen  Ausdruck  geben,  wie  Saat-,  Ernte-,  Wein-Fest  und  unser
Sommerfest,  oder  auf  Gehurt  und  Tod  bezügliche,  oder  endlich
politische  wie  die  Vota.  „Es  war  damals  eine  Epoche  der  Glaubens-In

  alten  lat.  griech.  Glossarien  wird  RüSARIY.U  wiedergegeben  durch  poowvia
Avellino  meint  irrthiimlich  ROSARIA  sei  eine  capuanische  Localaussprache  für
ROSALIA.  Vor  allem  berühmt  waren  die  Rosenanlagen  von  Paestum.
            
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