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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

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Tomaschek

r)  ßpov[xcc  olovsi  r,  yj.ipspivr,  zpoKr,.  Zu  dem  folg.  Tage  Columella
R.  R.  XI  2  94:  VIIII.  Kal.  lau.  brumale  solstitium  sicut  Chaldaei
Observant.  An  dem  XXV.  Dec.  wurde  seit  Aurelianus  in  Rom  das
orientalische  Fest  des  Sol  Invictus  gefeiert  (Preller  R.  M.  786):
schien  doch  die  Sonne  nach  der  Wende  neugeboren  lind  verjüngt!
Die  heidnische  Naturanschauung  wirkte  auch  auf  den  christlichen
Kalender  ein:  es  ist  kein  blosser  Zufall,  dass  auf  denselben  Tag
die  Geburt  Christi  versetzt  wird.  Die  Christen  feierten  den  Eintritt
der  geistigen  Sonne,  die  Geburt  des  wahren  Lichtbringers;  die
Geburt  Johannes  des  Täufers  wurde  dann  auf  die  sommerliche
Wende  verlegt,  gemäss  den  Worten  „me  oportet  minui,  illum  autem
erescere“.  Um  dieselbe  Zeit  feierten  die  germanischen  Völker  das
Julfest,  tranken  zur  Minne  und  zündeten  die  Sonnenwendfeuer  an.
Die  cerei,  welche  an  den  Saturnalien  brannten,  drücken  so  wie  der
Lichterschmuck  unserer  Weihnachtsbäume  auf  gleiche  Weise  die
Zunahme  des  Lichtes  aus;  eben  darauf  ist  zu  beziehen  der  südfranz.
chalendal,  ein  grosser  eichener  Klotz,  welcher  am  Weihnachtsabend
entzündet  und  mit  Wein  besprengt  wurde  (Grimm  D.  M.  594),  und
der  serbische  badnjak  (ebd.  1220).
Der  Tag  der  Wintersonnenwende  wurde  auch  als  Winterbeginn
betrachtet;  vgl.  Kal.  rusticum  Farnesianum  (Mommsen  I.  R.  N.
Nr.  6746):  HIEMIS  INITIVM  SIVE  TROPAE  CHIMERINAE.  In
christlicher  Zeit  galt  derselbe  auch  für  den  natürlichen  Jahresanfang
und  liiess  desshalb  calendas;  die  slav.  Benennung  koleda  hat  denselben ­
  Ursprung.  Der  erste  Tag  im  römischen  Jahre,  die  Kalendae
Januariae,  dem  Lichlgott  und  Eröffner  Janus  geweiht,  wurde  als
glückverbeissend  betrachtet;  was  an  diesem  Tage  gut  von  Statten
ging,  das  musste  auch  für  die  Folge  glücken  (Preller  R.  M.  160  fg).
Die  Kirchenväter  malen  mit  beredten  Worten  das  ausgelassene  Treiben, ­
  dem  sich  das  Heidenvolk  an  diesem  Tage  hingab,  und  ermahnen
die  Gläubigen  davon  sich  fern  zu  halten,  lieber  zu  fasten  und  Almosen
zu  spenden.  „Die  Losung  dieses  Tages  ist  Lust  und  Genuss  für  alle!
Da  wird  gelärmt  und  getobt;  jeder  sucht  mit  Wein  die  Sinne  zu
benebeln,  den  Bauch  mit  Speisen  anzufüllen;  Tanz,  Gesang  und
Würfelspiel,  Pantomimen  und  Mummereien  verscheuchen  die  Sorge.
Im  Scherz  wählt  man  sich  Richter  und  Obrigkeiten  und  gehorcht
deren  lächerlichen  Befehlen;  sogar  die  Götter,  sonst  Gegenstand
der  Verehrung,  werden  in  possenhaften  Aufzügen,  am  liebsten  in
            
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