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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Über  Brumalia  und  Rosalia  etc.

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Eine  gewisse  Ähnlichkeit  in  Ursprung  und  Entwickelung  mit
diesem  Feste  haben  die  echt  römischen  Saturnalien.  Saturnus,  der
Gott  der  Saaten,  und  dessen  Gemalin  Ops,  die  Göttin  des  üppigen
Segens,  galten  um  die  Zeit  der  kürzesten  Tage  für  die  verborgenen
Erdmächte,  welche  neue  Kraft  gewinnen,  zu  erneuter  Wirksamkeit
sich  anschicken.  „Noch  sind  sie  verborgen,  aber  schon  kommen  sie
wieder  und  bringen  mit  sich  alle  guten  Gaben  und  die  ganze  gesegnete ­
  Vorzeit  des  goldenen  Zeitalters“  (Preller  R.  M.  414).  Die
ursprünglich  düstere  Winterfeier  gestaltete  sich  auch  hier  zu  einem
genussreichen  Vorspiel  der  sommerlichen  Erntefeier,  indem  die
Phantasie  schon  jetzt  vorweg  nahm,  was  künftige  Monate  bringen
sollten.  Daher  die  ungemessene  Freude  und  Freiheit,  das  allgemeine
Schmausen  und  Schenken  an  diesen  Festtagen,  den  SEPTEM  SA-TVRNALIA
  f ).  Das  Rild  des  Saturnus  selbst  wurde  der  wollenen
Binden  entledigt,  mit  denen  es  das  Jahr  hindurch  gefesselt  war  —
vielleicht  weil  ursprünglich  die  Anschauung  bestand,  dass  der  Gott
gefesselt  in  der  Geisterwelt  hei  Dis  Pater  weile  2 )  und  auf  kurze
Zeit  der  Fesseln  ledig  einen  segnenden  Umzug  halte.  Man  denke  an
unseren  bergentrückten  oder  bei  Hel  weilenden  Vödan,  welcher  zu
Weihnachten  erwacht  und  an  der  Spitze  des  stürmisch  brausenden
Geisterheeres  um  Mitternacht  über  Feld  und  Flur  dahinzieht.
Zu  dem  XXIII.  December  bemerkt  das  Kalendar.  des  Clod.  Tuscus
  (1.  c.  cap.  70):  rjj  rcpo  i  xaAavooiv  ’  hxvovapicov  av[j.n).y]povTcu

1 )  Die  Festordnung  der  septem  Saturnalia  war  zur  Kaiserzeit  folgende:
17.  Dec.  =  XVI.  KAL.  IAN.  SATVRNALIA
18.  .  XV.
19.  XIIII.  OPALIA
20.  XIII.
21.  XII.  DIVALIA  S.  ANGERONALIA
22.  XI.
23.  X.  LARENTALIA
Die  Diva  Angerona,  so  wie  Acca  Larentia  sind  nur  Seitengestalten,  der  Ops  und  Lua
Mater  (Preller  431.  423.  419.).  —  Manche  Gebräuche  der  Saturnalien  haben  sich
bekanntlich  bis  auf  die  Neuzeit  erhalten;  über  den  klerikalen  Cnrnevnl,  das  Festum
fatuorum,  s.  Du  Cang.  s  v.
2 )  Plutarch  (Mor.  420  A)  weiss  von  einer  fernen  Insel  zu  erzählen,  auf  welcher  Kronos
gefesselt  und  schlafend  von  Briareus  bewacht  werde;  viele  Geister  weilten  hei  ihm
als  Genossen  und  Diener.
            
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