Über Brumalia und Rosalia etc.
357
lieh wie das flüssige Element und mit Weissagung begabt wie alle
Wasserdämone. Midas mischte die Quelle mit Wein, der berauschte
Silenos wurde gefesselt und musste dem Könige über die Geheimnisse
der Natur und die Dinge der Vorzeit zu Rede stehen i). Die
Culturmomente in dieser Sage lassen sich nicht verkennen; wir
finden darin die Andeutung, dass trockenes unfruchtbares Erdreich
durch Herbeilockung von Wasseradern in ein üppiges, fruchtreiches
umgeschaffen und mit Gärten und Weinreben überdeckt wurde. Dadurch,
so wie durch Ausbeutung der Metallschätze fesselte Midas den
Reichthum an sich. Die Weincultur und regelmässige Bearbeitung
des Bodens führte milde Sitten, geordnete Lebensverhältnisse, und
die Einführung dionysischer Weihen herbei; denn auch ein Hörer
des Orpheus soll Midas gewesen sein 2 ).
Die eifrigsten Diener des Dionysos waren die autoehthon-thrakischen
Bessen, welche ob dieses Ruhmes die Propheten des hochberühmten
Heiligthumes bei den stammverwandten Satren waren.
Die Satren bewohnten die hohen, mit allerlei Waldungen und mit
Schnee überdeckten Gebirge, welche sich zwischen dem mittleren
Strymon und Nessos oberhalb des späteren Philippi ausdehnen; das
Orakel des Dionysos selbst lag auf den höchsten Bergen; die Sprüche
gab eine Weissagepriesterin, so wie in Delphi (Herodot. VII 111).
Alexander besuchte auf seinem Zuge gegen die Triballer das Orakel;
der über den Altar ausgegossene Opferwein soll sich in eine Feuex - -
flamme verwandelt haben, welche zum Himmel emporloderte; das-*)
Die makedonische Benennung der Silene war 2ayaöai = tfauXoc, <Joßxpoi, sXao&ot,
aßpoL Mit döse zp^vvj hängt der päonische Name des Dionysos Avalog zusammen.
— Herod. I. c.: ev vovzolgi zai 6 XtXvjvoj zolgl xy}t:oigi tjXoj, otg
Xdjszat yiro Mazsdovwv. Vgl. Theopomp. frgm. 74 bei Serv. ad Virg. Ecl. VI 13
Aelian. V. H. III 18; Athenaeus II p. 45 C: T7jv xprjvrjv xspdffat oivoj zai rdv
7« Midetv ovjGi Oscxo/ixog, oze iXeiv rdv letXrpdv v-6 fiicnjg ySeXvjeev.
iGzt dk vj xpiptr h wc tprjGi Btcov, [lIgt, Macdcov v.'j). üatovcov, y Ivva za-Xoufisvrj.
2 ) Strabo XIV, 680: d dk Mido-j xXovzog ix rwv r.zpl zo Bep/uov dpog peraXXcüv
f/svsro. Conon Narr. I (Phot. Bibi. cod. 186): za ~spi Mt da zai BptySnr dxeog
z- j-r i Gxvp'ü -zpiz-jyßyj a5psov zs dg icXovtov vjpSvj, zai ’Opfecag zara lliipstav
to dpoc azpoazqg 'jsvoptsvog -o'/J.xtg ziyyatg Bpr/wv ßaaiXeösf zai djg
IstXvjvdg xspl ro Bipp.iov dpog Midov ßaaiXsOovzog öy 9 ot zai rd
ici'jrjc ojZst xoluav^rpo}~dzazov dv zai o-ojj avzto ypvodg iyivezo zai ra gig
zporpry 7rapaTt5s'pLcva arravra.
Sitzb. d. phil.-hist. CI. LX. Bd., II. Hft. 24