318
Ficker
formeller Natur; Alessandria war für ihn rechtlich als Stadt gar nicht
vorhanden, wie es ja auch bei der Unterwerfung 1183 sich formell
vom Kaiser neu gründen lassen musste; es war noch ungewiss, ob es
später ein Alessandria geben würde; und schon daraus wird es sich
erklären, dass ihm jetzt nicht in derselben Form, wie den andern
Bundesgliedern, Friede gewährt wurde.
Das Auseinanderhalten von Pax und Treuga, wie es bei dieser
Veranlassung in der Urkunde selbst hervortritt, zeigt besonders
deutlich, dass es sich beim Vertrage zu Montebello nicht, wie gewöhnlich
angenommen wird, um einen Waffenstillstand handelt,
wie er zu Venedig geschlossen wurde; sondern, wie zu Constanz,
um eine endgültige Herstellung des Friedenszustandes. Allerdings
mit dem Unterschiede, dass zu Constanz eine Entscheidung über die
einzelnen Streitpunkte schon erfolgt war, hier erst erfolgen sollte.
Aber der Friede selbst sollte desshalb nicht weniger endgültig sein;
der späteren Entscheidung der Schiedsrichter hatten beide Parteien
sich vorbehaltlos unterworfen; wie dieselbe auch ausfallen mochte,
beide Parteien hatten sich daran zu halten. Die Frage, wesshalL es
dennoch später wieder zum Kriegszustände kam, ist demnach
auch nicht, wie gewöhnlich geschieht, mit der Bemerkung zu erledigen,
dass es eben bei den nun folgenden Verhandlungen zu
keiner Einigung kam. Es ist vielmehr, da zu Montebello durch den
Gehorsamsschwur der Lombarden und die Friedensgewährung des
Kaisers der Frieden selbst endgültig wieder hergestellt war, da
weiter, wie wir sahen, der dort in Aussicht gestellte Schiedsspruch
wirklich erfolgt ist, die Frage einfach dahin zu stellen, welche der
beiden Parteien durch Nichtunterwerfung unter den Schiedsspruch
den Vertrag gebrochen hat.
Nach neueren italienischen Geschichtschreibern würde das
keinem Zweifel unterliegen. Dass Tosti in seiner Geschichte des
Lombardenbundes im Anschlüsse an eine schon von Muratori in den
Annalen angedeutete Ansicht weiss, dass der Kaiser den Frieden
niemals wollte, nur Zeit zur Heranziehung eines neuen Heeres zu
gewinnen suchte, kann nicht befremden; seiner Begeisterung und der
offen ausgesprochenen Tendenz seiner Arbeit wird man das zu gute
halten dürfen. Aber auch Vignati wiederholt die sonderbare, vielleicht
aus einem Missverständnisse dessen, was Romuald über die Verhandlungen
zu Venedig meldet, zu erklärende Behauptung Giulini’s,