Ein Ausflug- nach Gottschee.
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nicht viel mehr als für das dringendste Bedürfniss gesorgt. Und so
tragt sie denn auch schmucklos, heute wie vor 200 Jahren und wohl
noch länger, ihre einfache weisseTuchjoppe und ihr weissesKopftuch;
keine Haube, kein Bürdlein, kein Müder oder Kleid, das ganze Jahr
hindurch, selbst als Braut bei der Hochzeit. Dennoch erscheint sie
in ihrem Benehmen so sittig, edel, dass man von manchem Mädchen
sagen möchte, sie brauchte nur Stadlkleider anzuziehen und würde
durch ihr Benehmen gewiss sich nicht als Landmädchen verrathen.
Von Jodlern und Schnaderhüpfeln, die im benachbarten Kärnten und
Steiermark so laut erschallen und seihst über das Bairische hinaus
vorgedrungen sind, hört man hier nichts, wol aber Balladen, die
mit dem grössten Ernst, ja selbst mit Rührung vorgetragen werden.
— Val. Pogatschnigg, der seit Jahren mit grösstem Fleisse kärntische
Lieder und Märchen sammelt, theilte mir mit, dass es ihm bei aller
Mühe, die er sich gegeben, nicht gelungen sei, Volksballaden in Kärnten
zu finden. Und in dem nahen Gottschee solcher Reichthum! —
Wenn sich nur bald ein Sammler fände, den Schatz zu heben, bevor
er für immer versinkt! — Wir werden schon aus den Proben, die
ich im Wörterbuche mittheile, ersehen, welche Schätze hier erhalten
sind, auch welche Gemüthstiefe in der Wahl und Behandlung der
Stoffe sich ausspricht! Man sehe das Lied unter paukke, unter tunt
(die bisher aus dem Volksmunde noch nicht nachgewiesene Ballade,
die Bürger zur Lenore veranlasst hat), die scheane mörarin (die
Schöne am Meer ')•
Dieser Eindruck, den das Wesen des Gottscheewervolkes in
seiner Gesammtheit macht, wird nicht wenig unterstützt durch
gewisse durch die ganze Mundart gehende Eigenheiten, die auf uns
Österreicher den Eindruck des A r ornehmen machen und nur in Mitteldeutschland
zu Hause sind. Eine solche Eigenheit ist die volle Aussprache
der Vorsilben ge- und bc-, von denen die ge- auch dort gesprochen
werden, wo sie österreichisch ganz abfallen, ja selbst, wie
in md. Mundarten (s. Pfeiffer Jeroschin S. XXIII) zugesetzt werden,
wo sie sonst nicht stehen z. B. recht — gerächt; Unk = gedankh ;
liecht: geliecht. — Ist in der österreichisch-baierischen Mundart
die Aussprache des ein denselben Silben unerhört, so ist in Gottschee
*) Eine Ballade, die durch Ähnlichkeit mit der XXV. aventiure der Gudrun jedenfalls
beachtenswert!! ist.