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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

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S  c  h  r  Ö  e  r

wirkt  habe,  so  müssen  wir  wieder  einen,  vielleicht  klimatischen?  gemeinsamen ­
  Einfluss  auf  Slovenisch  und  Gottscheewisch  gelten  lassen.
Die  Angabe  in  Weiuh.  bair.  Gr.  §.  134:  „der  bairische  Mund
spricht  s  im  Anlaut  ohne  Schärfung  aus“  ist  ungenau.  So  weit  mir
österreichische  Mundart  gegenwärtig  ist  (und  diese  ist  bei  Weinhold ­
  unter  der  bairischen  mit  inbegriffen),  spricht  dieselbe:  sagen,
sehen,  singen,  sorgen,  Suppe  ganz  scharf:  szägn,  szegn,  szbigen,
szorgen,  szuppn  und  kennt  das  nd.  tönende  s  (französ.  s  in  prdsant)
im  Anlaut  gar  nicht.  Vgl.  Lexer  kämt.  Wörterb.  S.  XIV:  „S.  Im  Anlaute ­
  scharf  gesprochen“.  Dies  sz  für  s  steht  auf  Einer  Stufe  mit
p  für  b,  t  für  cl.  Auch  diese  tönenden  b  und  d  kennt  die  österreichische ­
  Mundart  vor  Vocalen  im  Anlaut  nicht.
Das  §  für  s  steht  dem  nd.  tönenden  s  näher,  als  diesem  geschärften ­
  österreichischen  sz  für  s.  Und  da  in  Gottschee  nun  dieses
§  streng  geschieden  wird  von  ursprünglichem  z,  so  möchte  man  auf
eine  frühere  von  der  österreichischen  verschiedene  Aussprache  dieses
s  in  Gottschee  schliessen,  die  dem  nunmehrigen  §  vorausgegangen  ist.
3.  Der  Übergang  des  i  in  u  vor  Consonanten  und
nach  einem  Vocal.  Der  Gottscheewer  spricht  das  l,  ähnlich  dem
Siebenbürger  Sachsen  und  gewissenHäudörflern  im  ungrischcn  Bergland, ­
  s.  meine  Lautlehre  S.  213,  schwerfällig  aus.  In  Wörtern  wie:
alt,  alp,  galgen,  salbe,  mal  spricht  er  es  entweder  dem  polnischen  l
ähnlich  oder  ganz  vocalisch:  z.  B.  äit,  alp,  gätgen,  §ätbe,  mal  oder
aut,  äup,  gäugen,  §äube,  mau.
Diese  Erscheinung  finden  wir  nun  auch  im  Slovenischen,  wo
galge  und  gavge  der  Galgen,  geschrieben  wird,  ebenso:  zavba  die
Salbe  u.  a.  m.
Dieser  im  Niederländischen  häufige  Übergang  (alt:  out,  wald:
wout,  halten:  houden,  salz:  sout  u.  s.  f.  Gr.  gr.  I 2 ,  467,  482)  findet
sich  im  Alemannischen,  z.  B.  in  Argau:  wald:  wauwd,  wal:  wcniw;
aut,  band,  Goud:  alt.  bald,  Gold  etc.  Spuren  davon  in  der  innerrhodischen
  Mundart  Appenzells,  im  Wallis  und  am  Monte  Rosa,
s.  Weiuh.  al.  Gramm.  S.  162,  130.  Am  weitesten  ausgebildet  im
ungrischen  Bergland  in  Hopgaard,  s.  meine  Lautlehre  S.  213.
Neue  Beispiele  von  daher  theilt  mir  mit  E.  Lindner,  die  ich  hier
folgen  lasse:  §täun  stehlen,  de^toun  gestohlen,  wenn  wellen  (wollen),
soun  sollen,  demoun  gemahlen,  liotzeun  Hutzeln,  eube  eilfe,  zweube
zwelfe,  häuf  hilf!  tvuuf  Wolf,  wuüwen  Wölfe,  göugenbdrtj  Galgen-
            
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