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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

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S  c  h  r  ö  e  r

Das  Gebiet  von  Gottscliee  ist  derjenige  Theil  von  Krain,  der
wegen  Unwegsamkeit,  noch  lange  nachdem  das  übrige  Land  urbar
gemacht  war,  eine  unbetretene  Wildniss  bildete.  Indem  man  im
übrigen  Krain  überall  römische  und  barbarische  Alterthümer  findet,
so  ist  in  Gottscliee  noch  nichts  aufgefunden  worden,  das  andeutete,
dass  vor  dem  14.  Jahrhunderte  ein  menschliches  Wesen  dieses
Gebiet  betreten.  Deutsche  mussten  kommen  um  hier  einzudringen
in  die  Wildniss;  Slovenen  hätten  es  nie  unternommen,  ganz  wie  im
ungrischen  Bergland,  wo  zur  selben  Zeit  als  in  Gottschee,
in  gebirgigen,  steinichten  Waldungen,  die  die  umwohnenden  SIovaken
  nicht  zu  benutzen  wussten,  von  den  Bergstädten  aus,  jene
deutschen  Niederlassungen  geschehen  sind,  die  man  die  Häudorfer
nennt.  S.  meine  Darstell,  der  Mund.  d.  ungr.  Bergl.  S.  144.
Und  so  bietet  denn  auch  die  Mundart  von  Gottschee  keine
Spur  von  Eigenthümlichkeiten  dar,  die,  selbständig  aus  uralter  vandalischer
  oder  gotischer  Wurzel  entsprossen,  unterschieden  von
den  Mundarten  sigambrischen,  markomannischen  und  alemannischen
Stammes,  sich  entwickelt  haben  konnten.
Während  dessen  nun,  als  diese  Anschauungen  sich  in  mir  bei
meinem  Aufenthalte  in  Gottschee  immer  deutlicher  hervorbildeten,
hatte  mir  Prof.  J.  Zahn  in  Gräz  freundlichst  die  Abschrift  einer  Urkunde ­
  nach  Gottschee  gesendet,  auf  die  ich  durch  die  Anmerkung
bei  Elze  S.  7  geleitet  wurde  und  die  ich  hier,  nach  dem  ich  sie  mit
dem  Original  im  k.  k.  Wiener  Hof-  und  Staatsarchiv  verglichen,
wobei  mir  Herr  Regierungsrath  v.  Meiller  freundlichst  behilflich
war,  vollständig  mittheilen  will.
Sie  enthält  die  bisher  bekannte  älteste  Erwähnung  des  Namens
Gotsehe,  wenn  auch  nicht  zu  bestreiten  ist,  dass  die  Gegend  wo
dieses  Guts  che  entstund,  schon  hundert  Jahre  früher  als  Lehen
von  den  Patriarchen  von  Aquileja  den  Ortenburgern  verliehen  sein
mochte.  S.  Tangei,  d.  Grafen  von  Oldenburg  I,  S.  222.  II,  20.  40  ( ).
So  wird  auch  aufzufassen  sein  die  Angabe  im  Catalogus  cleri  Labarensis
  (1867  S.  131):  „anno  1247  regio  Gotho  -  Svevorum  cum
omnibus  adtinentiis  Friderico  Ortenburgico  concessa  est  etc.“,
*)  1339  ward  zur  Capelle  St.  Barthelmä  zu  Moswald  eine  Seelsorgestation  errichtet
(Tangei  II,  163).  Wenn  hier  erlaubt  wäre,  an  die  alte  Bartholomänskirehe  bei
Gottschee  und  an  das  Dorf  Moswald  bei  Gottschee  zu  denken,  so  müsste  Moswald
älter  sein  als  Gottschee.
            
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