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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Ein  Ausflug  nach  Gottschee.

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Das  Verwirrende  des  ersten  Eindruckes  einer  Mundart,  deren
Lautstand  zum  Theile  aus  allen  Bahnen  des  Erhörten  heraustritt,  und
dessen  Regel,  durch  den  Einfluss  der  Schriftsprache  oft  verhüllt,  oft
gefälscht  erscheint  (wenn  z.  B.  alle  f  zu  w,  alle  w  zu  b  werden  und
daher  w  gewordene  f,  für  ursprüngliche  w  gehalten,  zuweilen  zu  b
überspringen,  oder  zu  b  gewordene  w,  geziert,  w,  und,  als  iv  für
ursprüngliche  f  gehalten,  /'gesprochen  werden  t),  so  dass  man  sich
manchmal  in  einem  schwindelnden  Kreisläufe  wechselnder  Lautverhältnisse
  befindet),  einige  auffällig  alte  Formen,  dazu  abnorme
Erscheinungen,  wie  die  scheinbare  weibliche  Vergrösserungssilbe  -o,
neben  der  Verkleinerungsform  -e  und  einer  Form  für  den  Ausdruck
des  Spottes  -ate—  alle  diese  Dinge  erweckten  in  mir  anfangs  allerdings ­
  Gedanken,  von  denen  auch  die  Möglichkeit  ausserordentlicher
Ergebnisse  meiner  Forschungsreise  nicht  ausgeschlossen  war.  —
Solche  Erwartungen  schwanden  noch  in  den  ersien  Tagen  meines
Aufenthaltes  in  Gottschee,  gleich  einem  Morgennebel!  und  es  erschienen ­
  bald  alle  die  neuen,  immerhin  interessanten  Erscheinungen,  im
Ganzen  durchsichtig  und  klar  in  ihrem  Zusammenhänge  mit  Bekanntem. ­
  Der  Werth  desjenigen,  das  sich  in  Sprache  und  Überlieferung ­
  in  Gottschee  vorfindet,  wird  daher  nicht  darin  zu  suchen  sein,
dass  es  Von  einem  erloschenen  deutschen  Volksstamme  uralte  Reliquientrümmer ­
  wahrt,  sondern  nur  darin,  dass  es  von  dem,  was  aus
der  Vorzeit  noch  im  14.  Jahrhundert  lebendig  war  bei  unserem  Volke,
sehr  vieles,  mit  bei  weitem  grösserer  Treue  bewahrt  als  andere
Stämme,  die,  weniger  abgeschieden  lebend,  im  Strome  des  Culturlebens
  alte  Erinnerungen  mehr  abgestreift  haben.  In  dieser  Art
bietet  Gottschee  jetzt  noch  eine  reiche  Fundgrube,  aus  der  ich  freilich ­
  nur  Proben  vorweisen  kann.

Sr.  Excellenz  Grafen  Anton  Auersperg.  In  Krain  selbst  den  Herren  K.  Deschmann
und  A.  Dimitz  für  Empfehlungsbriefe  und  freundlich  bethiitigte  Theilnahme  in  der
Laibacher  Zeitung,  den  Herren  Pfarrern  Steurer  in  Mitterdorf,  Krise  in  Morobitz,
Krombholz  in  Altlaag  und  Lobbe  in  Iliek,  endlich  den  liebgewordenen  Freunden
in  Gottschee,  den  Herren  Dr.  Wenedickter  und  Apotheker  Braune  für  freundliche
Aufnahme!  —  Für  schriftliche  Mittheilungen  habe  ich  besonders  zu  danken  Herrn
Stud.  Theol.  G.  Jaglitsch  und  Herrn  Mag.  Pharm.  R.  Braune  und  Caplan
P  a  r  a  p  a  t.
*)  Friderfchstein  heisst  richtig:  Wridraiehstoin,  gefälscht  Bridraichstoin,  Bidraistoin  ;
Wald  heisst  richtig:  Baud,  gefälscht:  Faud,  Faid;  Feld  richtig:  Waud,  gefälscht:
Baud.  Namen  schwanken,  z.  B.  Fuchse  wird  bald  Buchse,  bald  Wüchse  u.  dgl.  in.
            
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