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Schroer
alter Schauplatz dieser Art sind jene Theile der österreichischen
Monarchie, die von nichtdeutschen Völkern bewohnt sind. Die arpadischen
Könige Ungarns wussten die edle Kraft des Deutschen wol zu
schätzen und haben die Siebenbürger „Sachsen“, die „Sachsen“ der
ungrischen Bergstädte und der Zips mit Privilegien begabt, deren
Wirkung und Segen in Siebenbürgen wol zu spüren ist, obwol durch
die gegenwärtige Zeitströmung bedroht, während die ungrischen
Sachsen ziemlich verkommen sind. Keine spätere Regierung hat die
Bedeutung der deutschen Ansiedelungen mehr so gewürdigt und
erkannt wie die arpadischen Könige; aber dies hindert nicht, dass
der Deutsche, einem unabweisbaren Naturgesetze folgend, nach
und nach auf allen Puncten der Monarchie, wo es etwas zu schaffen
gibt, Fuss fasst und mit seiner Thätigkeit die fremden Gebiete der
Civilisation gewinnt. Die Gleichgültigkeit Deutschlands dieser bedeutsamen
Erscheinung gegenüber könnte nicht grösser sein, sie
geht Hand in Hand mit dem Mangel an nationalem Selbstgefühl und
politischem Sinn für das nationale Interesse. Nur diesem Umstand ist
es zuzusehreiben, dass man in Deutschland im allgemeinen besser
unterrichtet ist über die Zustände der Rothhäute in America, auch für
ihre Lage sich inniger interessiert, als über die der deutschen Sporaden
in der österreichischen Monarchie, die nicht nur grösser an Zahl als
zu vergrössern! — Ich bewunderte an diesen Äusserungen eines halbwilden
deutschen Hinterwäldlers, dessen Stamm seit 500 Jahren von Deutschland losgetrennt
ist, wie treu die deutsche Natur sich denn auch hier geblieben ist! Vollkommen
bewusst seiner geistigen und körperlichen Überlegenheit schilderte er
mir noch die andern Nationalitäten und wies aus ihren Gewohnheiten und Überlieferungen
treffend nach: warum sie neben den Deutschen nicht aufkommen
können. Nicht der Unterricht, nicht der allgemeine Fortschritt in Deutschland,
nur die eingeborne ideale Triebkraft hält diese Deutschen noch fort und fort. —
Im Sommer 1867 erzählte mir der deutsche evangelische Pfarrer von Magyarbdl in
der Baranyer Gespanschaft: er habe jetzt einen Zuwachs von sieben „Schwabengemeinden“,
die er zu besorgen hat, bekommen, die sich diesen Sommer in den
Urwäldern Slavoniens, anfangs natürlich obdachlos, mit Weib und Kind
niedergelassen haben, die aber ganz vergnügt und der Hoffnung sind, im nächsten
Jahre ebensoviele stattliche Dörfer zu bewohnen! — — Solche Thatsachen aus
dem Leben, die nur eine Wiederholung sind von Erscheinungen, die seit Jahrhunderten
fort und fort in aller Stille und immer in derselben Richtung auftreten,
müssen im Ganzen und im Zusammenhang betrachtet werden; erst dann werden
sie in ihrer Bedeutung erkannt werden und die Theilnahme unserer Vaterlandstreuude
finden, die sie verdienen.