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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

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A  s  t*  h  b  a  c  h

Die  Sodalitas  Rhenana  erhielt  durch  ihren  Präsidenten  eine
feste  Einrichtung,  welche  ohne  Zweifel  von  Celtes  entworfen  worden
war  i).  Es  wurden  zwar  keine  eigentlichen  Statuten  gegeben,  aber
der  Verein  sollte  nach  gewissen  Grundsätzen  geleitet  werden,  die
mehr  angedeutet,  als  scharf  vorgezeichnet  waren.  Absichtlich  hüllte
man  das  Wesen  der  Gesellschaft  in  das  Geheimnissvolle,  aber  man
wollte  alles,  was  auf  Zwang  und  strenges  Gesetz  hinwies,  verbannen.
Der  Grundsatz  der  freien  Vereinigung  sollte  vor  allem  herrschen.
Nächster  Zweck  war  Förderung  und  Verbreitung  der  humanistischen
Disciplinen  und  Studien,  demnach  der  alten  classischen  Sprachen,
der  antiken  Poesie  und  Rhetorik,  der  platonischen  Philosophie,  der
schönen  Künste  und  Wissenschaften  überhaupt.  Indireet  stand
damit  in  Verbindung  der  Kampf  gegen  den  Scholasticismus,  welchen
man  als  Rarbarei,  als  Geistesfessel  aller  gesunden  und  natürlichen
Regungen  und  wissenschaftlichen  Bestrebungen  bezeichnete.  Hier
war  es,  wo  man  mit  dem  herrschenden  theologischen  System  und
was  damit  zusammenhing  in  bedenkliche  Conflicte  gerathen  konnte:
es  war  daher  Vorsicht  und  eine  gewisse  Reserve  nothwendig,  nicht
alles  öffentlich  und  unumwunden  bloszulegen.  Wer  ernsllich  die
Absicht  hatte,  die  Zwecke  der  Gesellschaft  zu  fördern  und  durch
einen  gewissen  Grad  von  humanistischer  Bildung  in  Stand  gesetzt
war,  den  Anforderungen  zu  entsprechen,  konnte  als  Mitglied  der
Sodalität  beitreten.  Dass  eine  förmliche  Aufnahme  stattfand,  ist  nicht
unwahrscheinlich.  Da  die  Gesellschaft  ihren  Präsidenten  und  ihre
Secretäre  hatte,  so  lag  es  nahe,  auch  von  ihren  Mitgliedern  ein
besonderes  Verzeichniss  zu  führen.  Es  war  nicht  nothwendig,  dass
alle  ihren  Wohnsitz  in  Heidelberg  hatten:  nur  die,  welche  die
Geschäfte  leiteten  oder  das  Bureau  bildeten,  mussten  ihr  gewöhnliches
Domicil  daselbst  haben.  In  anderen  Städten  wie  in  Mainz,  Nürnberg,
Augsburg,  wo  mehrere  Sodales  in  der  Nähe  sich  befanden,  bestanden
für  dieselben  Einkehr-  oder  Versammlungsorte.  Es  besorgte  ein
angesehener  Sodalis  in  solchen  Städten  als  Hospes  für  die  Section
oder  das  Contubernium  Sodalium  die  etwa  nöthige  gastliche  Beherbergung ­
  und  Bewirthung.  In  Heidelberg  war  ein  solcher  Hospes
Johann  Vigilius,  in  Mainz  Theodorich  Gresmund,  in  Nürnberg

*)  Vangionum  praesul  (sodalibus)  sua  jura  dedit  sagt  das  oben  angeführte  Bonomische
  Episodium.
            
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