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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Die  früheren  Wanderjahre  des  Conrad  Celtes.  115
seinem  latinisirten  Namen  Vigilius  i)  bekannter  ist,  zu  begriissen.

Durch  Dalberg  war  Heidelberg  der  Hauptsitz  der  damals  neu
eingeführten  humanistischen  Studien  in  Deutschland  geworden.  Von
hier  aus  konnte  am  meisten  und  erfolgreichsten  für  die  Verbreitung
des  Humanismus  gewirkt  werden.  Was  für  Polen,  Pommern  und
Schlesien  durch  die  Sodalitas  Vistulana,  für  Ungarn,  Österreich  und
Baiern  durch  die  Sodalitas  Danubiana  beabsichtigt  wurde  (welche
gelehrte  Gesellschaften  aber  bei  der  noch  spärlichen  Theilnahme
der  einheimischen  Gelehrten  keine  rechten  Wurzeln  schlagen
konnten  und  nur  kümmerlich  bestanden),  das  war  eher  möglich,
in  den  rheinischen  Gegenden  zu  verwirklichen,  nämlich  einen  Verein
zu  gründen,  der  durch  seine  zahlreichen  und  eifrigen  Mitglieder
den  Humanismus  in  weitere  Kreise  verbreite  und  immer  mehr
befestige.
Nach  wiederholten  Besprechungen  zwischen  Celtes  und  den
Heidelberger  Humanisten  schritt  man  zur  Ausführung  des  von  dem
gekrönten  Dichter  dem  Wormser  Bischof  Dalberg  vorgelegten  Planes ­
  3 ).  Es  wurde  die  Sodalitas  literaria  Rhena  na,  welche  auch
nach  ihrem  eigentlichen  Begründer  Celtica  genannt  wurde,  errichtet. ­
  Wenn  auch  Heidelberg  als  Musensitz  ihr  Mittelpunkt  sein
sollte,  so  hielt  man  doch  für  geeignet,  die  Constituirung  der  Sodalität
  in  der  alten  rheinischen  Metropole  Mainz'stattfinden  zu  lassen,
wohin  ohne  Zweifel  die  namhaftesten  Humanisten  der  Rheinlande  zur

1 )  Vigilius  stand  im  besonderen  Vertrauen  des  Kurfürsten  von  der  Pfalz  und  des
Wormser  Bischofs  Johann  von  Dalberg.  Dass  er  ein  inniger  Freund  und  Gesinnungsgenosse ­
  des  gekrönten  Dichters  gewesen,  zeigen  seine  Briefe  an  denselben.
In  dem  Cod.  epistol.  Celtic.  auf  der  Wiener  Hofbibliothek  finden  sich  zehn  interessante ­
  Briefe  von  ihm,  von  welchen  Zapf,  Leben  des  Job.  v.  Dalberg,  in  den
Nachträgen  dazu,  einige  bruchstückweise  hat  abdrucken  lassen.  Celtes  hat  im
J.  1498  (Odar.  Iib.  III.  n.  5)  eine  Ode  auf  Vigilius  gedichtet  mit  der  Aufschrift:
Ad  Joannem  Vigilium,  sodalitatis  Iitterariae  Rhenanae  hospitem,  in  situm  Heidelbergae
  et  quare  decennio  peregrinatus  fuerit.  Trithemius  in  den  epist.  ad  familiär,
ep.  33.  p.  276  in  einem  Schreiben  an  Celtes,  d.  d.  Ilerbipoli  Jul.  1307  erwähnt
des  Vigilius  als  damals  noch  in  Heidelberg  lebend.  Auch  findet  sich  ebendaselbst
ein  Brief  von  Trithemius  an  Vigilius.
2 )  In  dem  Episodium  der  beiden  Bonomi  an  Celtes  heisst  es:
Nuper  apud  Rhenum  scripsisti,  Celti,  sodales,
Vangionum  praesul  quis  sua  jura  dedil.

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