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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 60. Band, (Jahrgang 1868)

Die  früheren  Wanderjahre  des  Conrad  Celtes.  99
machte  es  ihnen  weniger  bemerkbar,  wie  er  das  ihm  noch  mangelnde
Wissen  durch  nachträgliche  Studien  sich  aneignete.
Es  war  noch  im  Jahr  der  Dichterkrönung,  dass  er  seine  Reise
nach  Krakau  antrat.  Zunächst  verweilte  er  einige  Zeit  bei  seinen
Freunden  in  Sachsen,  dann  in  Schlesien«)  bei  dem  Breslauer
Domherrn  Sigmund  Gossinger  (bekannter  unter  seinem  humanistischen ­
  Namen  Fusilius) 2 ),  mit  dem  er  innige  Freundschaft
schloss.  Vielleicht  noch  vor  Ablauf  des  Jahres  i487,  jedenfalls  aber
nicht  später  als  im  Frühjahr  1488  kam  er  nach  Krakau  s).

*)  Celt.  lil).  amor.  I.  eleg.  14.
Solus  ignotas  pedibus  citatis
Hinc  peto  terras,  ubi  flavus  Albis,
Atque  ubi  lentus  regerit  Silesus  [Oder]
Vortice  cursus.
Vistulam  recto  pede  deinde  poscens,
Sarmatis  latos  ubi  terra  cainpos
Pandit  et  celsis  ubi  Croca  tectis
Regia  surgit.
2 )  Celt.  Odar.  lib.  I.  od.  II.  ad  Sigismundum  Fusilium  Wartislaviensem.
Fusili  binis  mihi  notus  annis,
Dum  peragranti  mihi  Sarmatarum
Terra  lustratur  gelido  propinqua
Frigida  caelo.
Dieselbe  Ode  mit  einigen  veränderten  Schlussstrophen  findet  sich  auch  im  Appendix ­
  zu  des  Celtes  Panegvris  ad  duces  Bavariae  mit  der  Aufschrift:  Quibus  instituendi
  sint  adolescentes;  beigefügt  ist  da  eine  zweite  Ode  an  Fusilius,  die  auch
Odar.  lib.  II.  n.  8  vorkommt:  Hymnus  ad  divam  dei  genitricem  pro  pace  et  concordia
  principum  Germanorum.  Sie  beginnt:
Diva  quae  magni  genitrix  Tonant.is
Impera  pacem  populo  furcnti,
Ne  ruat  hostris  viciis  gravatus
Teutonus  orbis.
Gossinger’s  Dankschreiben  auf  die  letztere  Ode  d.  d.  Rom.  24.  Juli  1492  findet  sich
im  Codex  epistoiar.  ad  Celt.  scriptar.  lib.  II.  n.  11.
3 )  Würden  wir  dem  Dichter  selbst  glauben,  so  müsste  er  im  Jahrel48ö,  als  er  20  Jahre
alt  war  (Epodon  lib.  carm.  5)  nach  Krakau  gekommen  sein.  Es  gehören  solche  unrichtige ­
  Zahlenangaben  zu  des  Celtes  poetischen  Licenzen.  Klüpfel  vit.  Celt.  I.
91,  auf  Odar.  lib.  I.  od.  3  sich  stützend,  lässt  den  Celtes  schon  im  Frühjahr  1487
nach  Krakau  kommen,  was  schon  wegen  der  Dichterkrönung,  die  in  Nürnberg  1487
im  April  statt  hatte,  nicht  sein  konnte.  Die  Worte  des  Celtes  lauten:
Dun*  novus  in  verno  puhescit  tempore  mundus,
Et  solvit  tepidos  humida  terra  siuus;
            
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