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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Pocale  zugetrunken,  und  ihm  denselben  dann  zum  Geschenke  gemacht ­
  ;  —  wenn  es  wirklich  so  war,  allerdings  etwas  Hartes,  zumal
von  einem  Bischöfe,  aber  nicht  ohne  Entschuldigung  durch  das  Gebieterische ­
  der  Umstände,  welche  Anerkennung  einer  dem  Cardinal
ganz  ergebenen  Gesinnung  verlangten.  Gewalt  rief  Gewalt  hervor.”
Ich  bedaure,  dass  Herr  Scharpff  aus  Mangel  an  tirolischen
Quellen  eine  solche  Ansicht  von  dem  Vorfälle  bekommen  musste,
noch  mehr  aber,  dass  er  sich  zu  einer  solchen  Entschuldigung
herbeiliess;  denn  hätte  er  zuverlässigere  Quellen  vor  sich  gehabt,
er  hätte  finden  müssen,  dass  die  Sanftmuth  des  Cardinais  in  Tirol
Niemand  gewann,  dass  im  Gegentheile  der  gesammte  Clerus  der
Diöcese  gegen  seine  Härte  protestirte,  dass  das  Volk,  welches
unschuldig  unter  den  Folgen  des  Interdictes  litt,  nahe  daran  war,
über  den  gesammten  geistlichen  Stand  herzufallen,  nicht  aus  Liebe
zum  Cardinal,  sondern  weil  es  geschlagen  wurde  für  Fehler,  die
es  nicht  begangen;  —  Herr  Schar  pff  würde  gefunden  haben,  dass
nicht  „die  Lehenbauern  des  Klosters  Sonnenburg,  von  den  rachsüchtigen ­
  Nonnen  aufgereitzt,  mit  Waffen  und  Wehr  sich  ungestüm ­
  um  das  Klostergebäude  schaarten,  und  der  Cardinal  Ge-„walt
  mit  Gewillt  vertreiben  musste,”  sondern  dass  sein  Hauptmanu
  Gabriel  Prack,  die  unbewaffnet  mit  den  schuldigen  Zinsen
dem  Kloster  zuziehenden  Enneberger  Bauern  überfiel,  und  schonungslos ­
  niedermetzelte,  ein  achtes  Seitenstück  zur  Versenkung
des  Kölner  Bischofs!  —  Herr  Schar  pff  würde  endlich  nicht
genöthigt  gewesen  sein,  eine  That  in  Schutz  zu  nehmen,  welche
noch  im  Munde  des  Volkes  als  Greuelthat  fortlebt.
Wären  ferner  die  im  Städtchen  Cues  hinterlegten  Actenstücke
nicht  ausschliesslich  im  Sinne  des  Cardiuals  gesammelt  worden,
so  hätte  Herr  Scharpff,  S.  314,  den  Cusanischen  Brief  an  den
Papst  vom  23.  April  1460  wohl  nicht  als  einen  Beweis  ansehen
können,  „wie  wenig  grobe  Misshandlungen  Erbitterung  in  dem
„zwar  reizbaren  aber  auch  versöhnlichen  Herzen  des  Bischofs  zu-„rückgelassen
  hatten,”  er  hätte  sonst  auch  die  Handlungen  und
Briefe  des  Cardinais  vom  27.  April,  wo  er  seiner  Haft  entlassen
wurde,  bis  zum  26.  Mai  in  derselben  Sammlung  verzeichnet
finden  müssen,  worin  er  im  Widerspruche  mit  seinem  oben  erwähnten ­
  Schreiben  seiner  bittern  Stimmung  gegen  Clerus  und  Volk
freien  Lauf  liess.
            
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