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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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1464  enthält.  Er  versichert  zwar,  dass  ihm  diese  Urkunden  einen
allseitigen  Einblick  in  die  Beziehungen  des  Cardinais  zum  Herzoge
Sigmund  und  zum  Lande  Tirol  gewährt  und  ihn  auf  den  Standpunct
  gestellt  haben  ,  unparteiisch  nach  beiden  Seiten  hin  die
Ereignisse  zu  überschauen,  und  die  in  der  Mitte  liegende  Wahrheit
ans  Licht  zu  fördern.
Allein  wenn  Scharpffs  Darstellung  der  bischöflichen  Wirksamkeit ­
  des  Cusanus  in  Tirol  das  Ergebniss  dieser  unparteiischen
Forschung  sein  soll,  so  hat  er,  ohne  es  zu  wollen,  den  Beweis  geliefert, ­
  dass  die  von  ihm  benützte  Sammlung  eine  blosse  Auswahl
derjenigen  Actenstticke  ist,  welche  nur  für  Cusa  sprechen,  und  ich
finde  meine  Vermulhung  bestätigt,  dass  der  Cardinal  durch  die
Hinterlegung  der  genannten  Urkunden  in  seinem  Geburtsorte  Cues
kaum  etwas  anderes  beabsichtigen  kennte  und  wollte,  als  Documente
  der  Nachwelt  zu  überliefern,  welche  der  Geschichte  Zeugniss
  gehen  sollten,  wie  er  sie  angesehen  und  aufgefasst  wissen
wollte.  Cusanus  ging  in  den  ganzen  Streithandel  mit  Herzog
Sigmund  von  zu  schroffen  und  leidenschaftlichen  Grundsätzen  aus,
als  dass  die  Ansichten  seiner  Gegner  in  seinen  Augen  eine  Würdigung ­
  und  daher  in  seiner  Sammlung  ein  Plätzchen  gefunden
hätten.  Ich  erwähne  hier  Beispielshalber  nur  der  eben  so  originellen ­
  als  unhistorischen  Behauptung  des  Cardiuals,  auf  die  er  vom
Jahre  1457  an  im  Streite  mit  dem  Herzoge  als  auf  den  Mittelpuuct
aller  seiner  Rechtsansprüche  immer  wieder  zurückkam,  dass  Herzog ­
  Sigmund  als  Graf  von  Tirol  nur  Lehenmann  der  Kirche  zu
Brixen,  hingegen  der  Bischof  von  Brixen  in  geistlichen  und  welt-.
  liehen  Dingen  Herr  des  ganzen  Umfangs  der  Diöcese  Brixen  sei,
daher  auch  gerechte  Ansprüche  habe  auf  alle  Lehen,  Salze  und
Erze  in  demselben  Umfange,  eine  Behauptung,  deren  Durchführung ­
  Herr  Scliarpff  S.  263  mit  durchschossenen  Lettern  „eine
sorgfältig  ausgearbeitete  historische  Begründung
der  Ansprüche  des  Bischofssitzes  auf  fürstliche
Gewalt”  nennt.
Wäre  die  in  Cues  hinterlegte  Urkunden  -  Sammlung  eine
unparteiische  Quelle,  so  hätte  Herr  Scliarpff  auch  die  Durchführung ­
  der  entgegengesetzten  Ansicht  in  derselben  finden  müssen.
Die  Beschreibung  der  Vorfälle  bei  Wüten,  wo  1447  dem
Cardinal  von  Seite  des  Herzogs  Sigmund  nach  dem  Leben  getrach-
            
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