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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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In  Elbassan  beschränkt  sich  übrigens  der  Gebrauch  dieses
Alphabetes  nicht  bloss  auf  kirchliche  Zwecke,  es  wird  dort  auch
von  Kaufleuten  zur  Correspondenz  mit  abwesenden  Landsleuten
benützt,  sie  führen  sogar  ihre  Bücher  in  dieser  Schrift.
Die  Tradition  knüpft  dasselbe  an  einen  Lehrer  der  dortigen
griechischen  Schule 1 )  Namens  Theodor,  welcher  zugleich
Stadtprediger  und  ein  sehr  gelehrter  Mann  war.  Doch  weiss  man
nicht  zu  sagen,  ob  er  das  Alphabet  zuerst  nach  Elbassan  gebracht ­
  habe.
Der  Mann  soll  nicht  nur  das  neue,  sondern  auch  das  alte
Testament  (nach  der  Septuaginta,  denn  hebräisch  verstand  er  nicht)
ins  Albanesische  übersetzt  und  sich  überhaupt  mit  Bildung  einer
den  weit  auseinander  laufenden  albanesischen  Dialekten  gemeinsamen ­
  Schriftsprache  beschäftigt  haben.  Leider  wurden  alle  seine
Schriften  nach  einer  starken  Pestepidemie  von  den  Verwandten  aus
Furcht  vor  neuer  Ansteckung  verbrannt.
Er  mag,  nach  dem  Alter  seiner  lebenden  Verwandten  zu
schliessen,  gegen  das  Ende  des  vorigen  Jahrli.  gestorben  sein.  Er  hatte
in  Moschopolis,  10  Stunden  östlich  von  Berat,  studirt.  Diess  war
bis  in  die  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  die  weit  ausgebildetste
Stadt  in  ganz  Albanien,  sie  besass  von  den  Zeiten  des  Mittelalters
her  eine  berühmte  Schule  und  sogar  eine  Druckerei.  Die  Schule
soll  ihre  Blüthe  namentlich  mehreren  ausgezeichneten  Konstantinopolitaner
  Gelehrten  verdankt  haben,  welche  nach  dem  Falle
ihrer  Vaterstadt  dorthin  flüchteten.
Die  betriebsamen  Bewohner  von  Moschopolis  wanderten  nach
allen  Handelsplätzen  der  Welt  und  diejenigen,  welche  in  der
Fremde  ihr  Glück  gemacht  hatten,  vergassen  in  ihrem  Testamente
')  Diese  christliche  Schule  bestellt  neben  der  Elementarschule  seit  unvordenklichen ­
  Zeiten.  Sie  wird  aus  frommen  Stiftungen  erhalten  und  hat
gegenwärtig  2  Lehrer  und  50  bis  60  Schüler.  Lehrgegenstände  sind:
griechische  Sprache,  Geschichte,  Geographie  und  Geometrie.  In  Berat,
Ochrida,  Argyrokaslron  bestehen  ähnliche  Anstalten.  Das  Gymnasium  in
Zannina  mit  7  Lehrern  und  30  Schülern,  von  denen  über  die  Hälfte  Auswärtige, ­
  wird  aus  bedeutenden  in  der  russischen  Bank  hinterlegten  Vermächtnissen ­
  erhallen,  lin  Norden  des  Landes  steht  der  Unterricht  unter
der  Leitung  der  katholischen  Geistlichkeit.  Türkische  Unterrichtsanstalten
befinden  sich  gleichfalls  in  den  grösseren  Städten  des  Landes,  sie  beschränken ­
  sich  auf  den  Unterricht  in  den  orientalischen  Sprachen.
            
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