817
Man fühlt in dem Angenblicke, wo Siebenbürgen ein organischer
Bestandteil eines einigen Oesterreichs geworden, das Bedürfnis
lebhafter als je, auch auf dem Gebiete der Wissenschaft
sich an Oesterreich enge anzuschliessen und mit demselben gleichmiissig
fortzuschreiten, man fühlt dabei auch das Bedürfnis, nachdem
die pergamentenen Panzer dessiebenbürgfschen Deutschthumes
aufhören, und die auf die Principien der Gleichberechtigung aller
Volksstämme gegründete Verfassung vom 4. März 1849 demselben
das horazische: natabis sine cortice mahnend zuruft, demselben
neue und kräftige Stützen zu schaffen, und erkennt eine solche
Stütze in dem Vereine. Renn obgleich dieser dazu berufen ist,
alle wissenschaftlichen Kräfte des Landes zu gemeinsamen Bestrebungen
zu verbinden, so wird doch das Gepräge desselben immer
ein deutsches sein, und er wird daher mit dem geistigen Lehen
zugleich auch das siehcnbürgische Deutschthum fördern und
kräftigen.
Das Vereinsvermögen ist in den Stürmen der Revolution glücklich
gerettet worden, und beträgt gegenwärig 2737 fl. 46*4 kr.
Conv. Münze.
Die literarische Thätigkeit des Vereins war natürlich in den
Jahren 1848 und 1849 fast ganz ins Stocken gerathen. So ist denn
auch von allen auf Kosten desselben herausgegebenen Druckwerken
bloss das von Joseph T ra u s c h redigirte n Chronicon Fuchsio-Lupino
- Oltardianum” mit dem zweiten Bande vollendet und in
der Generalversammlung vorgelegt worden. Die Vollendung des
begonnenen Druckes von dem vierten Bande des Vereinsarchives
und dem vierten Bande vonBaumgarten’s siebenbürgischer Flora —
von letzterem fehlt nur ein Theil des Index und der von F us s ausgearbeitete
Nachtrag — steht in sehr naher Aussicht, und es sind
die nöthigen Einleitungen getroffen worden, dass künftighin die
Fortsetzungen des Vereinsarchives rascher als bisher erscheinen.
Ausser diesen Arbeiten ist in der jüngsten Zeit eine Geschichte des
Bisthums der griechisch nicht unirten Glaubensgenossen in Siebenbürgen
von Johann Hienz— meist nach romanischen Quellen
bearbeitet—auf Vereinskosten gedruckt und der Generalversammlung
vorgelegt worden.
Die Vorarbeiten für einen Codex diplomaticus Transsilvaniae
und die Abschrift einer unter dem Namen Codex Kelpio-Krausianus,