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Wir Fänden M&hcr, dass durch die Gunst des Zufalls, und die
minirenden Bemühungen goldsüchtiger Schatzgräher, von Zeit zu
Zeit Antiquitäten zu Tage gefördert wurden. Nun sehen wir
auch (wie cs scheint) mit dem ausgesprochenen Zwecke antiquarischer
Entdeckung, Kaiser Friedrich II. Ausgrabungen
hei Augusta in Sicilien veranlassen 93 ). Bereils unter seinem Grossvater
Friedrich I. halte ein Cardinal, Namens Orsini, eine Sammlung
alter Kunstwerke anzulegen sich beflissen 94 ), wie wir denn
auch die Erhaltung eines nicht geringen Theiles unserer heutigen
x\.ntiquitäten der Künstliche des mittelalterlichen Clerus zu danken
haben.
Die oben erwähnten Siegelringe mit antiken Intaglios und Cameen
gehören in überwiegender Mehrzahl Personen geistlichen
Stande s an *), und hatte die pulzsüchtige Laienwelt Edelsteine
zur Glanzerhöhung profaner Gewandung benützt, so waren Priester
nicht minder eifrig bemüht, kirchliche Ornate, Geräthe 93 ),
sogar Bücher des liturgischen Apparats mit Cameen und Intaglios
reich auszuschmücken 90 ). Der Donnerer ziert die heiligen Urkunden,
der Gott der Musen die Botschaft der Evangelisten.
Ein grosser Act der Versöhnung hat Statt gefunden. Die
Macht des Schönen siegt über die des Fanatismus, die Götter finden
Schutz bei ihren ehemaligen Verfolgern. Und diese Göttergestalten,
dankbar für das gebotene Asyl, zünden in den Künstlern
des XII. Jahrhunderts jenen Funken, der endlich als Sonne in
Raphael Sanzio hoch aufstrahlt.
So waren die olympischen Götter wieder erstanden, zur Verherrlichung
christlicher Kunst.
*) Gillebert klagt, dass die Geistlichen seiner Zeit gleich Adelichen Aufwand
treiben, und. wie diese mit Edelsteinen besetzte Ringe am Finger tragen
Isti quoque variis fulgent in mantellis,
Late iimbus rutilat rubricatae pellis,
Et gemmatis digiti radiant anellis.
Gillebert. (c. S. XII. cxt.) Carmin. p. 51, str. 4.
Sitzb. d. philös.-bist. CI. Jahrg. 1S50. II. Ed. lV. Heft.