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liehen Standes sich vielfach Grabesbeschädigungen erlaubten, einen
Schuld mildernden Erklärungsgrund finden 85 ).
Es reichten sich Habgier und Fanatismus die Hand, um dieser
Art Schatzgräberei eine früher nicht gekannte Verbreitung zu geben.
In der Furcht vor dem Unternehmungsgeiste dieser Industriellen
legt man die mit reichen Schätzen ausgestattete Leiche Attila’s
Nachts in die Erde, und die Gefangenen, welche die Grube höhlten,
werden alsofort niedergehauen S6 ).
Alarich stirbt, der Busento wird trocken gelegt, in sein Bett
des Königs reich geschmückte Leiche nieder gesenkt, und dann wieder
darüberhin der Schwall zurück geleitet. Durch die alsofortige
Mordung der dabei beschäftigten Sclaven sorgt man dafür, dass
sie diess Geheimniss mit ins Grab nehmen 87 ).
Narses vergräbt seine Schätze, und übt an den Verbergenden
gleiche Grausamkeit ss ).
Es ist Hagems Wille, Chriemhilds Beichthümer jedem Schatzgräber
unzugänglich zu machen, und der grüne Rhein wälzt bis
«zur Stunde noch stolzverschwiegen seine Wogen über den Hort
der Nibelungen s»}.
Frühzeitig schon schritt weltliche wie geistliche Macht gegen
diese Plünderungswuth schätzelustiger Grabesschänder ein, und
noch im XI. Jahrhundert weisen die Beichtvorschriften den Poenitentiar
an, dem Beichtenden die Frage zu stellen, „hast du ein
Grab geschädigt?’ 90 ). Die Gesetzgebung der ersten christlichen
Kaiser verpönt mit Strenge, im Geiste altrömischer Legislatur,
jedartige Grabesverletzung. Späterhin und insonderheit bei ausserrömischen
Völkern werden neben milderem Strafausmasse,
stillschweigend die antiken heidnischen Gräber, besonders ihrem
Inhalte nach preisgegeben, und der Schutz des Gesetzes scheint
sich nur mehr auf nationale und christliche Gräber erstreckt zu
haben 81 ). Theodorich tritt offen als Sahatzheber alter Grabeskostbarkeiten
auf, und motivirt mit naiver Offenherzigkeit sein
Verfahren durch den Ausspruch „dass die Lebendigen des Goldes
nöthiger bedürfen als die Verstorbenen.”
Ausgerüstet mit genauer Kenntniss der Oertlichkeit, geleitet
von noch nicht verblassten Traditionen, haben so die Nachkommen
jener Rom-Stürmer grössere Schätze milder Schaufel, als ihre
Ahnen mit dem Schwerte sich errungen.