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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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weit  verbreiteter  Gemmen-Handel,  denn  es  werden  Juden  als  vorzügliche ­
  Kenner  und  Deuter  der  Edelsteine  gerühmt  43 ).  Jene  Zeit
fand  nicht  bloss  an  Edelsteinen  als  an  Schmuckstücken  Gefallen,
sondern  sie  schrieb  ihnen  auch  Heil-  und  Zauberkräfte  zu.  In
seinem  Geschmeide  besass  man  eine  Haus-Apotheke  voll  der  wirksamsten ­
  Palliative  gegen  Krankheiten  mannigfacher  Art 43 ).  Ängstliche ­
  Damen,  die  glauben  mochten,  nicht  völlig  dem  Zauber  ihrer
Persönlichkeit  vertrauen  zu  können,  konnten  ihn  durch  liebefesselnde
  Edelsteine  mächtig  verstärken 44 ).  Der  Glaube
an  die  geheime  Kraft  der  Edelsteine  steckte  manchem  eine  Gemme
an  den  Fingei’,  und  er  wähnte  vielleicht  in  dem  Amethyst-Intaglio
seines  Siegelringes  einen  Talisman  gegen  die  Helden-  bewältigende
Macht  des  Weines  zu  besitzen 45 ).  So  sehen  wir  Kaiser,  Könige
hochwichtige  Urkunden  mit  einem  Serapis  oder  Hadrians-Kopf,
Bischöfe  und  Prälaten  mit  Chimären  oder  Leda  mit  dem  Schwan
untersiegeln  46 ).
Solcher  Gestalt  vereinigten  sich  in  einer  Zeit,  die  vielfach
heidnischen  Kunstwerken  Verderben  brachte,  Glanzsucht  und  Wahnglaube, ­
  um  schützend  den  Gemmen  einen  obersten  Platz  unter  den
Kimelien  des  Schatzes  zu  sichern  47 ).  Ihn  besichtigte  Theodorich
der  Grosse  täglich  nach  beendigten  Staatsgeschäften*),  doch  nicht,
dess  sind  wir  gewiss,  mit  dem  Schmunzelblick  des  Nabobs  der
selbstzufrieden  seine  Gcldfruhen  überblinzelt,  sondern  mit  dem
stolzfunkelnden  Auge  des  Kriegers,  der  in  seinen  Schätzen  nicht
blos  Reiclithümern  sondern  den  Trophäen  seiner  Heldenthaten  huldigt, ­
  und  diese  Siegeszeichen  mit  gleichem  Hochgefühle  den  Anwundernden ­
  zur  Beschauung  vorweist 48 ).  Der  Thesaurus
wurde  als  werththeures  Erbstück**)  ruhmreicher  Ahnen ­
  durch  Jahrhunderte  sorgsam  bewahrt 49 ).  Um  sei-*)

  Hora  est  secunda?  surgit  e  solio,  aut  thesauris  inspiciendis  vocaturus,
  aut  stabulis.  Sidon.  Apoll,  epst.  L.  I.  2.  ap.  Sirm.  op.  I.  468.  b.
ed.  Venet.
**)  Die  Schätze  werden  häufig  als  alte  bezeichnet:
par  was  swylcra  fela,
in  Öam  eorÖ  [-scraefe],
ar-gestreona.
Beowlf.  v.  4458.  p.  158.  s.  Anm.  55.  Fand  des  Abbt
Lupicinas  nach  Anm.  57.  s.  Anm.  28.
            
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