Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

751

den  begabt;  diese  waren  die  Riesenkinder  der  Natur  im  jungfräulichen ­
  Zustande,  jene  sind  die  Missgeburten  einer  verderbten
Natur.”
Und  nun  der  Schluss  dieses  Meisterstückes  von  Beredsamkeit ­
  :
„Mirabeau  hat  schon  die  Verwandlung  derer,  die  ein  bleibendes
Andenken  zurückgelassen,  durchgemacht:  er  hat  sich  aufgerichtet,
in  der  ganzen  Höhe  der  Zeit,  die  ihm  heute  als  Fussgestell  dient,
man  sieht  nicht  mehr  den  wirklichen,  sondern  den  verklärten
Mirabeau,  den  Mirabeau,  wie  ihn  die  Maler  als  das  Symbol  oder
den  Mythos  seiner  Zeit  dargestellt;  so  wird  sein  gefälschtes  Gemälde ­
  um  so  mehr  wahr.  Von  so  vielen  berühmten  Namen,  von  so
vielen  Begebenheiten,  von  so  vielen  Ruinen  werden  nur  drei  Männer ­
  übrig  bleiben,  deren  jeder  an  einen  der  grossen  staatsumwälzenden
  Zeitabschnitte  gehaftet.  Mirabeau  für  die  Aristokratie,  Robespiere ­
  für  die  Demokratie,  Bonaparte  für  den  Despotismus,  die
Monarchie  geht  leer  aus  und  Frankreich  hat  theuer  drei  Ruhmesposaunen ­
  bezahlt,  welche  die  Tugend  nicht  anerkennen  kann 1 ).
Aus  dieser  Schilderung  und  aus  den  obigen  ,  im  Fluge  berührten, ­
  vom  Verfasser  der  Lebensbeschreibung  mit  Treue  Und
Geschicklichkeit  zusammengestellten  Thatsachen  geht  hervor,  dass
grosse  Beredsamkeit,  hochfliegender  Genius  ,  weit  umfassende  politische ­
  Kenntnisse,  wenn  gebrandmarkt  durch  Unsittlichkeit,  Bestechlichkeit ­
  und  öffentliche  Missachtung,  den  Beherrschten  das
dem  Staatsmanne  zur  Erreichung  seiner  hohen  Zwecke  nöthige
Vertrauen  nicht  einflössen,  und  dass  grosse  Geschäftstüchtigkeit,
strenge  Rechtlichkeit  und  ein  edler  und  fester  Charakter  der
Staatslenker  weit  mehr  geeignet  sind,  zur  Sicherung  des  Völkerwohles ­
  in  der  Gegenwart  und  zur  Erwerbung  eines  bleibenden
guten  Namens  in  der  Zukunft.

")  Memoires  tl’oulrc-tombo,  pur  M.  le  Vicomte  Chateaubriand.  T.  II.
p.  77  —  66.

Sitzb.  a.  philos.-hist.  CI.  Jahrg,  1850.  II.  Bd.  IV.  Heft.

43
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.