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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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der  Demokratie  athinete  ein  Hauch  von  Grachus  und  von  Don
Juan,  von  Catilina  und  von  Güzman  de  Alfarache,  vom  Cardinal
Richelieu  und  vom  Cardinal  Retz,  vom  Wüstling  der  Regentschaft ­
  und  vom  Wilden  der  Revolution;  ausserdem  alhmete  in  ihm
der  Geist  der  Mirabeau,  der  verbannten  florentinischen  Familie,
welche  etwas  von  den  bewaffneten  Palästen  und  den  grossen  durch
Dante  gepriesenen  Parteiführern  an  sich  hatte  ;  eine  in  Frankreich ­
  eingebürgerte  Familie,  welche  den  republikanischen  Geist
des  italienischen  Mittelalters  mit  dem  lehensherrlichen  des  unsrigen
  in  einer  Folge  ausserordentlicher  Männer  vereinigte.
„Die  Hässlichkeit  Mirabeau’s  auf  den  Grund  der  seiner  Race
eigentlnimlichen  Schönheit  aufgetragen,  brachte  eine  Art  gewaltiger ­
  Gestalt  des  jüngsten  Gerichtes  Michael  Angelo’s  (des  Landsmanns ­
  Arrighetti’s)  hervor.  Die  durch  die  Pocken  dem  Gesichte
des  Redners  eingegrabenen  Narben  hatten  vielmehr  das  Ansehen
von  Rrandmalen.  Die  Natur  schien  seinen  Kopf  für  die  Herrschaft
oder  für  den  Galgen  gemodelt,  seine  Arme  für  Volkszusammensebnürung
  oder  Frauenraub  zugeschnitten  zu  haben.  Wann  er  seine
Mähnen  schüttelnd  das  Volk  ansah,  hielt  er  es  in  Ruhe  fest,  wann
er  seine  Taze  aufhob  und  seine  Klauen  zeigte,  rannte  der  Pöbel
wüthig.  Inmitten  der  entsetzlichen  Unordnung  einer  Sitzung  sah
ich  ihn  auf  der  Rednerbühne  finster,  hässlich  und  unbeweglich;  er
erinnerte  an  Milton's  Chaos,  für  keinen  Eindruck  empfänglich
und  formenlos  im  Mittelpuncte  seiner  Verwirrung.
Mirabeau  hatte  etwas  von  seinem  Vater  und  von  seinem  Oheim,
die  wie  Saint  Simon  lüderlicher  Weise  (ä  la  diable)  unsterbliche
Seiten  schrieben,  man  lieferte  ihm  Reden  für  die  zu  denselben  bestimmte ­
  Bühne  :  er  nahm  davon  was  sein  Geist  mit  seinem  eigenen
Wesen  verquicken  konnte  ;  wenn  er  sie  ganz  annahm,  so  trug  er
sie  schlecht  vor,  man  gewahrte,  dass  sie  nicht  sein  seien,  durch
die  Worte,  die  er  denselben  aufs  Geradewohl  einmengte,  und  die
ihn  enthüllten  ;  er  nahm  die  Springkraft  seines  Nachdrucks  von
seinen  Lastern;  diese  entsprangen  nicht  aus  einer  kalten  Geblütsmischung, ­
  sondern  aus  tiefen,  glühenden,  stürmischen  Leidenschaften. ­
  Die  Unverschämtheit  der  Sitten  führt,  indem  sie
das  sittliche  Gesetz  vernichtet,  in  die  Gesellschaft  eine  Art  von
Earbaren  zurück;  diese  Rarbaren  der  Sittigung,  welche,  w r ie  die
Gothen,  zerstören,  sind  nicht  wie  diese,  mit  der  Macht  zu  grün-
            
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