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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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Mirabeau’s  die  verdiente  Huldigung  zollt,  dieser  aber  schicken  wir
noch  eine  Selbstschilderung  Mirabeau’s  aus  seinen  Briefen  an
Sophie  voraus,  von  welcher  die  vorliegende  Lebensbeschreibung
keine  Kunde  genommen.  Wir  werden  sehen  wie  der  grosse  Redner
Mirabeau  von  Selbstliebe  und  falscher  Bescheidenheit  geblendet,
sich  selbst  ins  Schönere  malt,  und  wie  der  Griffel  des  Genius
das  treuere  Ebenbild  desselben  mit  Scheidewasser  ins  Erz  ätzt.
„Hat  man  in  mir  jemals,”  fragt  Mirabeau  in  einem  seiner
Briefe  vom  1.  Julius  1779  seine  geliebte  Sophie,  „hat  man  in  mir
jemals  den  geringsten  Keim  unerträglicher  Eitelkeit  gesehen  ?
Ich  war  immer  der  leutseligste  der  Menschen  mit  meinen  Untergebenen, ­
  der  artigste  und  festeste  mit  meines  Gleichen,  der  stolzeste ­
  mit  meinen  Oberen  ,  wenn  dieses  Hochmuth,  so  ist  es
wenigstens  ein  edler;  aber  das  Wahre  an  der  Sache  ist,  dass  ich
die  Menschen  nur  nach  ihrem  Inneren  und  nicht  nach  ihrer  Umgebung ­
  schätze,  dass  ich  stolz  durch  das  Gefühl  meines  Muthes,
meiner  Stärke,  meiner  Geradheit  und  erlittener  Ungerechtigkeit;
dass  ich  wenig  gedemüthigt  durch  meine  zahllosen  Fehler  und
Gebrechen,  weil  sie  meine  Ehre  nicht  bedecken,  dass  ich  lioclimüthig
  stolz  auf  meine  Geliebte,  sehr  unzufrieden  mit  meinen  Talenten ­
  und  mit  allem  dem  was  mir  so  wichtigen  Beifall  zugezogen ­
  ,  der  vielleicht  eben  so  lügnerisch,  als  die  Wucht  von  Unbilden ­
  und  Verleumdungen,  womit  man  mich  erdrücken  wolllte.
Verlässlich  in  der  Freundschaft,  treu  und  ergehen  in  der  Liebe,
ein  trefflicher  Staatsbürger,  wenu  man  ein  solcher  in  einem  slavischen
  Bande  sein  könnte,  schätzbar  von  Seite  des  Herzens,  ausgezeichnet, ­
  von  Seite  des  Gemüthes,  von  mittelmässigcm  Geiste,
ungleichem  Charakter,  diess  ist  meine  wahre  Schilderung,  wenigstens ­
  wie  ich  mich  sehe,  und  ich  glaube  mich  richtig  zu  sehen 1 ).
Nun  folgt  der  Anfang  und  das  Ende  des  meisterhaften  Gemäldes ­
  Chateaubriand’s,  worin  der  Genius  den  Genius  schildert.
„In  Mirabeau,  welcher  durch  die  Unordnungen  und  Zufälle
seines  Lebens  an  den  grössten  Begebenheiten  und  an  dem  Dasein
von  Sträflingen,  Entführern  und  Abenteurern  Theil  nahm,  in
Mirabeau  dem  Volksredner  der  Aristokratie,  dem  Abgeordneten

*)  Lettres  originales  de  Rlirubeau  recucillies  pur  P-  Manuel  T.  IV.  p.  292.
            
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