748
Das grösste und schönste Opfer, das er seinen besseren Gesinnungen
über seine Eitelkeit brachte, war, dass er seinem
Freunde dein Grafen Lamarck endlich die Erlaubniss gab, die
Brieftasche welche die Papiere des Königs enthielt, wegzunehmen,
Als Lamarck sich damit entfernte, rief ihn der Sterbende noch
einmal zurück, und sagte: „Nun, du Kenner schöner Todesarten,
bist du zufrieden ?” — Leider war die Vorsicht des Grafen Lamarck
unnütz, denn als im folgenden Jahre (20. November 1792)
die geheimen Schriften des Königs in dem eisernen Schranke der
Tuillerien entdeckt und mit denselben auch die Briefe Mirabeau’s
veröffentlicht wurden, beschloss der Nationalconvent, dass am
Tfge der Beisetzung des Sarges Marat’s im Pantheon Mirabeau’s
Sarg aus demselben entfernt werde. Dieser Beschluss wurde jedoch
erst zehn Monate später und selbst noch zwei Monate nach
dem Sturze Robespiere’s in Vollzug gesetzt wofür erst drei
Jahre später, am 30. Julius 1797, auf den Vorschlag von Lenoir,
Baroche und Cabanis in dem Rathe der Alten und der Fünfhundert
eine Art von Ehrenrettung Mirabeau’s beschlossen ward. In dem,
von seinem natürlichen Sohne Montigny herausgegebenen Memoiren
ist Mirabeau’s Privat- und öffentlicher Charakter im schönsten
Lichte kindlicher Frömmigkeit dargestellt, seine grossen Verdienste
als Redner- nnd Schriftsteller gehörig gewürdigt. „In diesen
Ruhmeskranz,” sagt der Verfasser der Lebensbeschreibung, „haben
Freunde und Feinde, Zeitgenossen und Nachkommen, Mitbürger
und Fremde wetteifernd Bliithen gewunden, Neckcr’s
Tochter, wie Frau Roland, Laharpe und Brissot wie Thiers,
Lamartine und Chateaubriand, Schlabrendorf und Niebuhr wie
Dahlmann und Droz, Carlyle und Brougham. Unter den Deutschen
aber hat ihm Niemand ein schöneres Denkmal gesetzt als Georg
Förster, der dadurch vergütete, was Unverstand und Vorurtheil
an dem ausserordentlichen Manne gesündigt.” Herr Dr. Pipilz hat
zum Schlüsse seines Werkes die Schilderung Mirabeau’s aus Försters
Erinnerungen aufgenommen und wir übersetzen zum Schlüsse
dieses Berichtes dis Stelle aus den Memoires d'outrc-tombe, in
welcher der grosse Genius Chateaubriand’s dem grossen Genius
s ) Memoires de Mirabeau. VIII. p. 522.