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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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tzen  mussten.  Unfähig - ,  sich  in  seinen  Genüssen  zu  beschränken
oder  mjt  seinen  Hilfsquellen  hauszuliälten  —  Hilfsquellen,  die  er
zum  Theil  nicht  einmal  kannte,  da  er  keinen  Augenblick  übrig
hatte,  mn  den  zerrütteten  Nachlass  seines  Vaters  zu  ordnen  —
suchte  er  sich  für  jeden  Fall  eine  unabhängige  Zukunft  und  behaglichen ­
  Wohlstand  zu  sichern.  Sein  Agent  (Luchet)  unterhandelte
mit  dem  Intendanten  der  Civilliste  (Laporte)  ohne  den  Umfang  seiner ­
  Forderungen  auszusprechen,  aber  wie  gering  dieselben  auch
sein  mochten,  so  waren  sie  in  einem  solchen  Augenblicke,  wo  das
Heil  des  Staates,  sein  eigener  Ituhm  und  die  Errungenschaft  seines
ganzen  Lebens  auf  dem  Spiele  stand,  Mirabeau’s  unwürdig,  doppelt ­
  unwürdig,  da  er  gerade  jetzt  schmerzlicher  als  je  empfand,
welche  Nachtheile  sein  befleckter  Ruf  ilnn  selber  und  seinem  Vaterlande ­
  verursachte.”
Sein  ärztlicher  Freund  Cabanis  hörte  ihn  einmal  in  der  Einsamkeit ­
  seines  Landhauses  bei  Argenteuil  mit  unsäglichem  Well
ausrufen:  „0,  hätte  mich  bei  der  Revolution  ein  Ruf  umgeben
gleich  dem  von  Malesherbes!  —  Welche  Zukunft  sicherte  ich  dann
meinem  Vaterlande,  welchen  Ruhm  meinem  Namen!”  —  Die
grossen  Arstrengungen  seiner  Arbeiten,  die  veränderte  Lebensart,
indem  er  frühere  körperliche  Uebungen,  wie  Reiten,  Fechten,
Schwimmen  (worin  er  ein  Meister)  und  längere  Fusswanderungen
unterliess  und  keine  Bewegung  mehr  machte,  ohne  sich  deshalb  in
seinen  Genüssen  zu  beschränken,  rieben  ihn  auf  und  führten  seinen
frühzeitigen  Tod  herbei,  welcher  jedoch  auch  beigebrachtem  Gifte
angeschuldiget  ward.  Die  grössten  Sympathien  aller  Parteien
gaben  sich  während  seiner  Krankheit  kund,  denn  er  war  zugleich
der  Mann  des  Volkes  und  der  Monarchie  : " ; ).  —  Seine  Krankheilsgeschichte ­
  ist  von  seinem  Arzte  Cabanis,  dem  er  unbeschränktes
Vertrauen  schenkte,  beschrieben  worden,  dieser  stellt  das  berühmte
Wort  desselben  j'empörte  la  monarchie  in  Abrede,  wenn  dasselbe
auch,  wie  höchst  wahrscheinlich,  gesagt  worden,  so  war  es  zwar
ein  eben  so  citcles,  aber  leider  !  ein  wahreres,  als  das,  womit  er
der  Königin  für  den  ihm  von  ihr  gewährten  Handkuss  dankte:  ce
baiser  sauve  la  monarchie.
*)  Mirabeau  etoit  Vhomme  du  peupie  9  mais  aussi  celui  de  la  loi,  celui
de  la  monarchie.  Memoires  de  Mir  ab  e  au.  VIII.  p.  545.
            
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