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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 5. Band, (Jahrgang 1850)

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in  alle  Zweige  des  öffentlichen  Lehens  eingreifende  die  mannigfaltigtsen
  Intressen  umfassende  Thätigkeit  (sagt  der  Verfasser  der
Lebensschreibung),  eine  Thätigkeit  welche  die  gewöhmlichen  Bedingungen ­
  menschlichen  Daseins  fast  zu  überschreiten  schien  —
erweckte  bei  Jedem  ,  der  mit  Mirabeau  in  näheren  Verkehr  trat,
immer  neue  Bewunderung.
„Können  Sie  es  vielleicht  besser  als  ich  begreifen”,  schrieb
Campe  in  den  ersten  Monaten  der  Revolution  an  einen  Freund,
„wie  Mirabeau  es  macht,  wenn  er,  wie  ich  Augenzeuge  davon  war,
Tag  für  Tag,  von  Morgen  bis  tief  in  die  Nacht  hinein,  in  der
Nationalversammlung,  oder  in  einem  ihrer  Bureaus  arbeitet,  bei
jeder  nur  einigermassen  erheblichen  Gelegenheit  lange,  mit  höchstrhetorischer ­
  Kunst  ausgearbeitete  und  sogleich  druckfähige  Reden
hält,  dabei  in  jeder  freien  Zwischenstunde  entweder  Besucher  bei
sich  aufnimmt  oder  selbst  Besuche  macht,  später  Nachtschmäusen
beiwohnt  u.  s.  w.  und  bei  dem  allen  noch  obendrein  wöchentlich
drei  Hefte  seines  Courrier  de  Provence  schreibt  und  drucken
lässt?”  —  Seine  letzte  merkwürdigste  Arbeit  war  die  nur  in  einigen ­
  Puncten  abgeänderte,  dem  Könige  im  December  1790  über
die  Auflösung  der  Kammer  und  Revision  der  Verfassung,  womit
der  Minister  der  auswärtigen  Geschäfte,  Herr  von  Montmorin,  in
den  ersten  Monaten  des  Jahres  1791  Herrn  von  Malouet  bekannt
machte.  Nach  diesem  Plane  sollte  der  gesetzgebende  Körper  in
zwei  Kammern  getrennt,  dem  Könige  das  Recht  sie  zu  vertagen
und  aufzulössen,  das  absolute  Veto,  die  Oberaufsicht  über  die
Dempartements-  und  Gemeindebehörden,  die  vollziehende  Gewalt
im  ganzen  Umfange,  jedoch  mit  verantwortlichen  Ministern,  die
Initiative  der  Gesetzgebung  gemeinschaftlich  eingeräumt  werden.
Diese  Denkschrift  machte  auf  Malouet  den  günstigsten  Eindruck. ­
  „Dieser  Mann,”  sagte  er  zu  Montmorin,  „kann  jeden  Ton
anstimmen  und  eignet  sich  zu  allen  Rollen.  Fenelon,  Machiavell,
Rousse.au,  der  Abbe  Maury  —  sie  alle  fänden  in  seiner  Schrift  ihre
Grundsätze,  und  doch  herrscht  Uebereinstimmung  in  seinen  Ansichten.” ­
  —  „Leider  !”  fährt  der  Verfasser  der  Lebensbeschreibung ­
  fort,  „leider!  liess  sich  Mirabeau  durch  das  Misstrauen,  das
ihm  der  Hof  einflösste,  zu  Vorsichtsmassregeln  verleiten,  die  nicht
der  Sache,  sondern  nur  seiner  eigenen  Person  galten,  und  die  ihn
in  den  Augen  derer,  die  mit  ihm  verkehrten,  uothwendig  herabse-
            
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